Idyllisch
Traum
Fischergalgen
Rhein

Die Karibik liegt in Basel

Veröffentlicht am Dienstag, 09. Juni 2020 von Devina Solanki.

Sommerliche Temperaturen, strahlend blauer Himmel, ein sanftes Lüftlein und ein schmuckes kleines Häuschen direkt am Rhein – Felix Stern ist zu beneiden.

Traumhaft. Einfach traumhaft. Wenn man sich aus dem Fenster des mit Pflanzen gesäumten Fischergalgens von Felix Stern lehnt, blickt man direkt in türkisfarbenes Wasser. Der Rhein hat es Felix angetan. Denn seit fast 20 Jahren wohnt er mehr oder weniger durchgehend im St. Alban-Tal und seit 2018 ist er stolzer Besitzer von einem der 60 begehrten Fischergalgen in Basel. «Das war pures Glück!», lässt mich Felix wissen und fährt fort: «Ich meine, wer träumt schon nicht davon, ein kleines Hide-Away direkt am Rhein zu erwerben?»



Über einen Bekannten hatte er damals erfahren, dass der Fischergalgen auf der Kleinbasler Seite zu haben wäre. Der Boden gehört zwar der Stadt, doch den Fischergalgen darf er sein Eigen nennen. Einzige Voraussetzung: Wohnsitz in Basel und absolvierte Fischerprüfung. Check und check!


«Ich meine, wer träumt schon nicht davon, ein kleines Hide-Away direkt am Rhein zu erwerben?»


Das Wochenendhäuschen am Rhein

Felix hatte gleich doppeltes Glück. Denn im Gegensatz zu vielen anderen «Fischwooge», wie sie in gepflegtem Baseldeutsch auch genannt werden, gehört zu seinem Galgen ein sehr ansehnlicher Abschnitt «Strand» dazu. Wenn der Rhein wenig Wasser führt, dann liegen die Kieselsteine frei und so manch städtischer Sonnenanbeter kommt hierhin, um sich in der Sonne zu räkeln. Einen Steinwurf entfernt befindet sich ausserdem der Steg der Anlegestation «Museum Tinguely» der Basler Personenschifffahrt. Die Anlegestation wird allerdings nicht oft bedient.



An den Rheinufern Basels befinden sich an die 60 Fischergalgen. Deren Geschichte geht dabei bis ins Mittelalter zurück. Diese wurden an besonders günstigen Stellen errichtet, nämlich dort, wo die Strömung nachlässt und sich die Fische erholen konnten. Das Synonym «Fischwoog» entlehnt sich nicht dem Wort «Waage», sondern bedeutet in etwa «tiefste Wasserstelle». Mit dem grossen Netz wurde früher von Berufsfischern vor allen Dingen die ergiebige Salmen-Fischerei betrieben. Das sind allerdings Tempi passati, obwohl man in den letzten Jahren den Rhein, sowie die Flüsse Birs und Ergolz in der Hoffnung auf die Rückkehr des Lachses renaturiert hatte.


Geniessen mit Einschränkungen

Als «Wochenendhäuschen am Rhein» waren die Fischergalgen seit jeher beliebt. So beliebt, dass es 1942 notwendig wurde, Bauvorschriften für Fischergalgen zu erlassen. Verboten ist unter anderem das Übernachten darin. Allerdings wurde auch schon einmal eine Ausnahme gemacht und das Echo darauf war dementsprechend überwältigend. Im Jahr 2018 ermöglichte es Basel Tourismus im Rahmen einer speziellen Marketingaktion, in gewissen charmanten Fischergalgen übernachten zu können.



Das mit dem Übernachten reize natürlich ab und an auch ihn, gesteht Felix. Nur wisse er als Anwalt selber nur zu gut, was zu tun und was zu lassen ist und deshalb lässt er es lieber bleiben.


Vom Hudson River in New York ans Rhybadhüsli in Basel

Neben seiner Liebe zu Basel hat Felix auch eine Schwäche für New York. Von 2008 bis 2012 lebte und arbeitete er sogar in der Weltmetropole. In seinen Big Apple-Jahren begann er als Kunstschaffender tätig zu werden. Dabei entwickelte er eine Faszination für die Grafikkunst, vor allen Dingen für diejenige der 60er Jahre. Felix' eigene Werke sind dementsprechend auch von der Kunstrichtung Pop Art geprägt. Ein Werk der Serie «Dotography», auf welchem er auf eine Holzscheibe malt, hängt auch in seinem Fischergalgen. Seine letzte Ausstellung «Absolut Heerlig! – Hommage an die Bodega zum Strauss» war der Basler Kult-Institution, dem Restaurant Bodega zum Strauss am Barfüsserplatz gewidmet. Die rund 70 unterschiedlich grossen Bilder waren in kürzester Zeit ausverkauft.



Der Rhein als Ort des Rückzugs und der Inspiration

Immer war es der Rhein, der eine unvergleichbare Anziehungskraft auf Felix ausübte. So kam es auch, dass es ihn nach seiner Rückkehr aus den USA sofort wieder an den «Bach» zog, wie die Basler den Rhein liebevoll nennen, und er eine Saison als Bademeister im Rhybadhüsli Breite übernahm.


Dass sein Häuschen am Rhein eine ganz besondere Inspirationsquelle darstellt – egal ob bezogen auf seine Kunstwerke oder seine wertschätzende Lebenseinstellung – steht wohl ausser Frage. Danke Felix für den Einblick in dein kleines Hide-Away.