Silas Weiss sorgt beim Weingut Riehen für charaktervolle und lagerfähige Weine. Dafür setzt er nicht nur auf Qualität statt Quantität, sondern auch auf eigenständige Ideen bei der Vinifizierung.

«Eigentlich sind wir ja quasi das Burgund aus Riehen», sagt Silas Weiss lachend. Und tatsächlich, was aus den sonnigen Reblagen im Schlipf, Riehens gemeindeeigenem Weinberg, so gedeiht, könnte grösstenteils auch aus dem Burgund kommen. So ist Pinot noir tonangebend und macht bald die Hälfte der Produktion aus, dazu kommen Pinot blanc und kleinere Mengen an Chardonnay, Sauvignon blanc und Riesling-Sylvaner. Quasi ausser Konkurrenz baut Silas Weiss auch noch eine kleine Menge Blaufränkischer an. Diese Reben liegen allerdings bereits auf deutschem Boden. Wobei das mit den Grenzen im Schlipf ja sowieso so eine Sache ist, wie der junge Winzer erklärt: «Wenn ich zwischen den Reben den Traktor wende, geschieht das bereits auf deutschem Boden.»

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Dass Weiss in Riehen Wein macht, ist ein Glücksfall. Denn als es den aus Neuchatel stammenden, knapp 27-jährigen nach zwei Rebsaisons im Napa Valley in Kalifornien nach Basel zog, war die Auswahl an Weingütern – sagen wir es einmal so – nicht wirklich gross. Also landete der junge Winzer bei der Paul Ullrich Weine AG und lernte so den Weinverkauf kennen, wie er erklärt: «Das war zwar spannend, aber ich wollte wieder meinem gelernten Beruf nachgehen.» Als sich 2019 die Möglichkeit ergab, Betriebsleiter auf dem Weingut Riehen zu werden, griff er selbstredend zu und begann seine Ideen der Weinherstellung umzusetzen. Und das durchaus vielversprechend: Seit letzten Jahr ist er zusammen mit zwei Partnern Mitinhaber des Weinguts, das immerhin rund 25 000 Flaschen jährlich produziert. Für die Weinproduktion ist er jedoch alleine verantwortlich.

«Eigentlich sind wir ja quasi das Burgund aus Riehen»

– Silas Weiss

«Das ist eine tolle Chance für mich», sagt er, «es ist zwar viel Arbeit für einen allein, aber es macht sehr viel Spass.» Allerdings, so ganz alleine ist der junge Winzer nicht, was durchaus seiner Kreativität und seinem gewinnenden Wesen geschuldet ist. Denn wenn Arbeit im Rebberg ansteht, «müssen alle meine Freunde mitanpacken», erläutert er. Zudem kann er auch auf eine Handvoll engagierter Rentner zurückgreifen, welche Freude an der Arbeit in den Reben haben. 

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Bei der Vinifizierung setzt Weiss auf die Spontanvergärung und geht auch sonst seine eigenen Wege. Sowohl die weissen als auch die roten Weine werden zwei Jahre im Fass ausgebaut. Dazu kommt, dass «die Weissweine zwei Jahre auf der Hefe liegen. Das gibt ihnen Struktur und auch Lagerfähigkeit.» Entsprechend lassen sich die weissen Riehener nach dem Kauf problemlos noch fünf Jahre lagern und entwickeln sich dabei vorzüglich. Bei Weissweinen alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Aktuell ist der 2018er Jahrgang im Verkauf, ein Alter, in welchem viele andere Weissweine bereits dem KO-Kriterium entlangschrammen. 

Damit dabei nichts schief geht, setzt Weiss auf bedingungslose Qualität anstatt Quantität und erntet für seine Topweine gerade einmal 300 Gramm pro Quadratmeter. Auch lässt er seinen Pinot noir mitsamt den Stielen vergären, was ein absolut sauberes und gesundes Traubengut voraussetzt. Trotzdem: «Wir müssen dabei natürlich ein besonderes Augenmerk auf die Tannine legen», erläutert er. Und: «Aber wir machen ja auch keinen Beerliwein.» Definitiv: Manchmal liegt das Burgund näher, als man meint! 

Text Stefan Fehlmann

Bilder Weingut Riehen