Manchmal muss man seiner Leidenschaft nachgehen und etwas wagen. So wie Marco und Anna, die im Kleinbasel WILD WINES eröffnet haben, um die Baslerinnen und Basler auf den Geschmack von natürlichem Wein zu bringen. Ganz ohne elitäres Blaba tun sie dies, auf sympathisch unkomplizierte Art – um dir den perfekten Genuss im Glas zu bescheren.

Seit wenigen Monaten gibt es an der Klybeckstrasse 50 eine neue Weinhandlung. WILD WINES heisst sie. Dort zu finden sind Weine von kleinen unabhängigen Winzern, die allesamt biologisch oder biodynamisch arbeiten. Geführt wird die Weinhandlung von Marco und Anna, einem jungen Paar aus dem Quartier. Beides keine Winzer oder Sommeliers. Marco, in einer Gastronomen-Familie im Luzerner Hinterland aufgewachsen, studierte er Geschichte und Nahostwissenschaften, arbeitete später jahrelang in der Unternehmensentwicklung und hat sich in den letzten Jahren durch Weiterbildungen ein grosses Weinwissen angeeignet. Die in Riehen aufgewachsene Anna ist studierte Juristin und arbeitet daneben in einem Basler Unternehmen in der Unternehmenskommunikation. Zwei totale Quereinsteiger also. Wie das? Tatsächlich war’s die Liebe zu speziell gutem, naturbelassenem Wein. Gepaart mit Abenteuerlust und Verwegenheit – anders lässt sich die Eröffnung einer Enothek in Zeiten wie diesen nicht erklären.

«Wein ist doch etwas Wunderschönes! Es gibt unglaublich viele unterschiedliche Geschmäcker und es macht so viel Spass, darin zu versinken.»

Könnt ihr euch an euer erstes gemeinsames Glas Wein erinnern? Die Frage bietet sich an. «Oh, das ist schwierig!», tönt’s von Marco. «Wir haben zusammen schon so viele spannende Weine getrunken …», sagt Anna. «Als ich vor über zehn Jahren nach Basel gezogen bin, habe ich gemeinsam mit Anna angefangen, die Weinregion näher kennenzulernen», so Marco. «Mich fasziniert, dass wir hier im Dreiländereck mitten in einer sehr dynamischen Weinregion wohnen und dies in Basel teilweise gar nicht so präsent ist.»

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Genau darum organisieren Anna und Marco jeden Monat Degustationen, an denen sie die innovativen Winzerinnen und Winzer, die sie im Sortiment führen, in die Stadt in ihren Laden holen. Die Kundinnen und Kunden können so neuen Wein entdecken und sich mit dessen Machern unterhalten. Auf Augenhöhe. Denn was Marco nervt, ist «dieser Wein-Elitarismus, der sich in Sprache und Habitus zeigt und der dem Thema Wein diese seltsame Aura von etwas schwer Zugänglichem aufdrückt. Wein ist doch etwas Wunderschönes! Es gibt unglaublich viele unterschiedliche Geschmäcker und es macht so viel Spass, darin zu versinken», findet er und darum sollen daran auch alle teilhaben können. Völlig egal, ob man sich mit Traubensorten oder Gärprozessen auskennt. «Hauptsache, du hast Freude am Wein!», findet auch Anna. «Wir können dich beraten und dir etwas zeigen, womit du Spass hast. Dafür musst du nichts von Wein verstehen.»

 «Wir können dich beraten und dir etwas zeigen, womit du Spass hast. Dafür musst du nichts von Wein verstehen.»

Marco und Anna können dir viel zeigen. Und viel erzählen. Mindestens eine Geschichte pro Flasche, die sie im Regal stehen haben. Weil sie die meisten Weinproduzenten persönlich kennen und ihrer Kundschaft sehr gerne von den engagierten Winzerfamilien und ihren Weinen erzählen. Die bei WILD WINES angebotenen Pét-Nats oder Orange Wines, die klassischen Weissen, Roten und auch der Champagner sind weitestgehend natürlich hergestellt. Die Winzer begleiten den Traubensaft beim Weinwerden ohne dabei grossen Einfluss zu nehmen. Der etwas umstrittene, da nicht klar definierte Begriff dafür ist «Naturwein». Tönt nach trüber Suppe, «ist manchmal auch so!», schmunzelt Anna. Das kommt daher, dass der Wein oftmals nicht gefiltert wird. «Weil filtern schliesslich auch ein Eingriff ist – du veränderst den Wein, indem du etwas rausnimmst», erklärt Marco. Man kann auch einfach die Schwerkraft wirken lassen.

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Marco findet den Begriff «Naturwein» schwierig. Was ist schon «Natur»? «Es ist noch nie Wein geworden vom blossen Anschauen des Rebstocks. Schlussendlich muss das Trinkerlebnis gut sein», meint er pragmatisch. Im Gaumen schmeckt man das Ergebnis in Form von Tiefe. Natürlich produzierter Wein ist oft interessanter, wilder, rauer und auch der ungefilterte Satz kann spannende fruchtige Aromen bergen, der Geschmack ist weniger uniform.

 «Es ist noch nie Wein geworden vom blossen Anschauen des Rebstocks.»

Den Baslerinnen und Basler scheinen die Weine jedenfalls zu schmecken «Wir freuen uns riesig über die positive Resonanz und das internationale Publikum», meint Marco. «Viele kennen diese Art von Wein wohl aus ihrer Heimat und schätzen es nun, dass sie ihn endlich auch in Basel kaufen können», ergänzt Anna. Kontinuierlich stockt das Paar sein Sortiment nun auf. Auch mit italienischen oder spanischen Weinen, die alle 100% biologisch sind und eine Geschichte haben, die erzählt werden will. Wegen dieser Geschichten und vor allem wegen dem Trink-Genuss solltest du bald einmal bei WILD WINES vorbeischauen. Am besten samstags, «da haben wir immer offene Flaschen zum Probieren», meint Marco. «Unser Weinkühlschrank ist aber auch an den anderen Tagen immer gut gefüllt», ergänzt Anna. «Wer für den Feierabend-Apéro am Rhein noch ein Fläschchen braucht – bei uns gibt’s jederzeit gekühlte Weine. Und natürlich Bio-Champagner, denn Bubbles gehen immer!»

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