Costume Designerin
Traumfabrik
Basler im Ausland
Rosi Gabl

In der Superleague der Traumfabrik!

Veröffentlicht am Freitag, 19. April 2019 von Devina Solanki.

Wie sich Rosi aus Basel wortwörtlich ihren Weg nach Hollywood zeichnete!

Costume Illustrator für den 9. Star Trek Film und die Janet Jackson Tour, Lehrerin für Fashion and Costume Drawing und Product Design zu sein? Nein, das ist kein Märchen, sondern die Vita der Baslerin Rosi, welche vor 23 Jahren ausflog in die grosse weite Welt!

Dennoch, wie klein ist doch die Welt! Da teile ich über Instagram meine allerersten Reiseeindrücke von Los Angeles mit und prompt schreibt ein gemeinsamer Bekannter, ob ich denn Rosi und Max Gabl nicht kenne? Das Basler Paar lebe schon seit über 20 Jahren in Los Angeles. Mit der Inbetrachtnahme eines möglichen Treffens fragte ich unseren gemeinsamen Freund Daniel, ebenfalls Basler welcher seit mehreren Jahren in Südafrika lebt: «Sind die cool?». «Die sind obercool!» antwortet er ohne Umschweife! Rosi erkundigte sich über dasselbe bei Olivia, einer weiteren gemeinsamen guten Freundin und ein paar Tage später schon, traffen Rosi und ich uns in Culver City, einem eigenen Stadtbezirk in Los Angeles in welchem sie auch wohnen zum Lunch. Es war eine Schicksalsbegegnung und love at first sight! Ich habe mich allerdings zweimal verliebt, aber mehr dazu später.


Innert kürzester Zeit konnten wir die gemeinsamen Freunde und Interessen kaum mehr aufzählen. Dass wir uns aber nie live getroffen haben, ist allein die Folge davon, dass Rosi mit ihrem Mann Max bereits seit 23 Jahren in Los Angeles lebt, mittlerweile mit ihrem 14jährigen Sohn Dylan.


 


«Rosi, ich brenne darauf, deinen Werdegang zu hören! Du hast mit einer klassischen Schneiderlehre begonnen und danach an der Schule für Gestaltung in Basel studiert. Warst Du dazwischen noch woanders, bevor es euch nach Los Angeles gezogen hat?» frage ich gespannt.

«Beruflich habe ich nach der Schneiderlehre am Central Saint Martins College of Art and Design in London einen dreimonatigen Sommerkurs in Fashion Illustration belegt. Ich habe dort extrem viel gelernt und hätte am Liebsten die vierjährige Ausbildung dort absolviert. Dies war allerdings aus finanziellen Gründen nicht möglich, deshalb studierte ich in Basel in der Fachrichtung Körper und Kleid.» Erzählt mir Rosi und fährt gleich fort: «Privat bin ich in meinen frühen 20ern für ein halbes Jahr durch Indien, das Land welches mich schon immer sehr interessiert und fasziniert hat, gereist. Mein beständiges spirituelle Interesse, diese, wie auch andere Reisen gehören ebenso zu meiner Persönlichkeitsbildung.»


«Wie alt warst Du, als ihr definitiv nach Los Angeles übergesiedelt seid?» frage ich Rosi.

«Ich war 30 und Max war 37 Jahre alt. Und trotz der Green Card mussten wir eigentlich von ganz vorne beginnen. Das war überhaupt nicht einfach.» Erzählt sie mir.

 

«War das schon immer dein Traum?» möchte ich weiter wissen.

«Seit ich klein war, wollte ich nach «Hollywood» und Film Kostüme kreieren.» Erzählt mir Rosi sowohl mit leuchtenden, wie auch schmunzelnden Augen.



Ich möchte weiter wissen: «Wie war es zu Beginn in der Filmindustrie Fuss zu fassen?»

«Hart! Aber ich war ebenfalls sehr hartnäckig und habe nicht aufgegeben! Ich musste ganz unten einsteigen, als Schneiderin beim berühmten Bob Mackie, welcher sich unter anderem einen Namen als Costume Designer für Diana Ross, Cher und Elton John gemacht hat. Meine solide Schneiderausbildung hat mir da sehr geholfen.» erzählt mir Rosi.


«Du hast mir erzählt, dass Du innerhalb der ersten beiden Jahre in welchen Du hier warst, bereits für eine Star Trek Produktion arbeiten konntest, wie kam es dazu?» frage ich weiter.

«Ja, mein erster grosser Job war als Costume Illustrator, in welchem ich die Kostüme der Schauspieler für den neunten Star Trek Film "Insurrection" zeichnete. Dazu kam, dass die Costume Designerin Sanja Hays, beim aktuellen "Captain Marvel" Film in der Crew, damals eine Postkarte von mir erhielt. Denn ganz am Anfang in Los Angeles liess ich Postkarten mit einer Zeichnung von mir drucken. Diese Karten hatte ich an alle damaligen über 600 Mitglieder der Costume Designers Guild geschickt. Sanja hatte diese Karte gut gefallen und so hatte sie mich kontaktiert.» Erzählt mir Rosi.


 


«Du wurdest dann auch in die Costume Designers Guild aufgenommen, das ist eine ziemliche Ehre oder?» möchte ich wissen.

«Bob Mackie sah mein Zeichnungs-Portfolio und hat mich sofort in die Costume Designers Guild (CDG) empfohlen. Er sagte, ich solle nicht nähen, ich würde als Costume Illustrator einerseits viel besser verdienen und auch behandelt werden. Und wie Recht er hatte! Trotzdem erhielt ich noch die Mitgliedschaft in eine zweite Film Union, der "Motion Picture Costumers" (MPC) als "Cutter/Patternmaker/Fitter" (Leitende Kostüm Schneiderin), da ich bei Bob Macke Union Eintritts Stunden als Schneiderin abverdiente. Diese Arbeit übte ich dann viele Jahre auch simultan neben der Costume Illustration aus.» Erklärt mir Rosi und hängt gleich an: «Um in den Film Studios und grösseren Produktionen arbeiten zu können, muss man IATSE (International Alliance of Theatre Stage Employees)-Union Mitglied sein. Ich gehöre zwei Vereinigungen an, der wie oben erwähnten CDG und MPC.»


 


Die Stunden über den Lunch verflogen wie gefühlte Sekunden! Wir beschlossen, uns möglichst schnell wieder zu treffen. Ich war noch eine gute Woche in der Stadt der Engel und Rosi wollte Angela, eine weitere Baslerin in Los Angeles und mich im Rahmen eines Abendessens bei ihnen zuhause auch Max und Dylan vorstellen. Als kleinen Einschub: Angela lebte vor 15 Jahren schon einmal eine Weile in Los Angeles und ist letzten Oktober, nach Zürich und fünf Jahren in New York wieder an die Westküste gezogen. Nachdem ich sie bei Ankunft kontaktiert hatte und wir uns auch nach Jahren zum Dinner traffen, staunten wir beide nicht schlecht, als wir auf Rosi und Max zu sprechen kamen. Angela hatte sie damals kennengelernt, aber aufgrund des Wegzuges seitdem nicht mehr gesehen.


«Ich freue mich jetzt schon!» liess ich sie beim Abschied wissen und sie meinte sogleich: «Ich mich auch! Vor allen Dingen, so haben wir schon herausgefunden, lieben wir es beide Freunde zum Essen nachhause einzuladen. Dass sei hier in den Staaten nicht zu kommun, irgendwie muss das mit der Privatsphäre zu tun haben, denn man treffe sicher praktisch immer auswärts zum Essen. 


Während dem ich mich auf den Heimweg mache, bin ich einerseits darüber berührt, wie schön sich eine solch neue Bekanntschaft anfühlt – als würde man sich schon seit Ewigkeiten kennen. Und andererseits muss ich schmunzeln, nicht einmal zwei Jahrzehnte lassen dass typische «breite Baseldyytsch» nur im geringsten verblassen!


Ein paar Tage später waren Angela und ich zum Essen eingeladen. Seit zwei Jahren leben sie in einem neuen schönen Haus in Culver City. Es war ein grossartiger Abend und fühlte sich für alle unisono so an, als kennen wir uns schon seit mehr als einem Leben! Beim Hausdurchgang ist es dann passiert; ich habe mich zum zweiten Mal verliebt, denn einerseits zeigte mir Rosi ihre Arbeiten und anderseits sah ich andere Werke und Zeichnungen aufgehängt. Ich habe in meinen 41 Jahren noch nie Jemanden getroffen, welcher besser zeichnet als Rosi! Die Bilder, welcher diesem Bericht angefügt sind sprechen für sich. Ein Naturtalent sondergleichen!


Rosi erschafft seit geraumer Zeit nicht nur Kostüme, sondern gibt Ihr wertvolles Können und Wissen der Zeichenkunst bereits seit 15 Jahren lehrend weiter. Am Otis College of Art and Design unterrichtet sie im Fashion Programm. Letztes Jahr wurde sie in eine zweite Abteilung aufgenommen, dem Product Design, in welchem sie eine Klasse in "Visual Communications" unterrichtet. Das heisst, sie bringt den Studenten bei, wie sie ihre Ideen visuell, vor allem aber zeichnerisch «beschreiben» können. «Da es für mich auch ein neues Gebiet ist, muss ich viel vorbereiten. Ich musste mich wieder an die Perspektiven Lehre und andere technische Grundlagen erinnern.» Erklärt mir Rosi.


Ihr zweiter Lehrautrag in Fashion und Costume Drawing findet am Art Center College of Design in Pasadena, 20km von Los Angeles entfernt statt.


Natürlich möchte ich zum Schluss wissen: «Was fehlt Dir, wenn überhaupt noch, wenn Du an die Schweiz zurück denkst?»

«Oh einiges, Freunde, Familie, die wunderschöne Natur und natürlich das gute Essen!» sagt mir Rosi sofort.


«Und was würdest Du jedem auf den Weg geben, welcher selber mit Auswanderungsträumen spielt?» frage ich zu Letzt.

«Durchhaltevermögen und sich pro-aktiv informieren. Eine oder mehrere Fähigkeiten meistern und die Türen werden sich öffnen. Für Max welcher VFX/Digital Artist und Art Director bei CBS Digital ist und mich wurde der amerikanische Traum wahr!» schliesst Rosi.


Ich bedanken mich bei Rosi und kann es kaum erwarten, sie in Basel zu treffen, wenn ich Glück habe, wird dies im laufenden Jahr schon der Fall sein.