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Essia
«Style is...»

«Style is never outta fashion»: Sebastien und Stephan

Veröffentlicht am Dienstag, 06. April 2021 von Devina Solanki.

Um dem Mainstream zu entkommen, braucht es Stil, Mut – und die passenden Schuhe. Die beiden Brüder Sebastien und Stephan haben ihren Traum von der eigenen Modelinie wahr gemacht und sich dabei von ihren afrikanischen Wurzeln inspirieren lassen.

Sebastien und Stephan Essia wollten schon immer etwas Eigenes erschaffen. Etwas, was einen bestimmten Wert hat und ihre Leidenschaft für erstklassige Schuhe und afrikanische Stoffe verbindet. Letzeres ist nicht nur eine grosse Passion, es repräsentiert einen wichtigen Teil von ihnen. Im afrikanischen Gabun aufgewachsen, wanderten sie in ihren Teenager-Jahren mit der Familie in die Schweiz aus. Zuerst nach Langenbruck zu Verwandten und danach nach Basel, wo sie seither leben. Sebastien hat bereits zwei erwachsene Kinder und Stephan ist Vater von zwei Teenagern.


«Du kannst die schönsten Kleider tragen und den perfekten Look zusammenstellen – wenn allerdings die Schuhe nicht stimmen, ruinierst du das gesamte Bild!»


Ihre Leidenschaft für Mode und Style verbindet die beiden Brüder dabei schon ihr ganzes Leben. «Du kannst die schönsten Kleider tragen und den perfekten Look zusammenstellen – wenn allerdings die Schuhe nicht stimmen, ruinierst du das gesamte Bild!», lassen sie mich wissen. Und sie haben ja so Recht!


Angetrieben von ihrem Stilbewusstsein und der Motivation, ihre afrikanischen Wurzeln in etwas Eigenes einfliessen zu lassen, haben Sebastien und Stephan vor knapp einem Jahr ihre eigene Schuhlinie kreiert: Essia!



Inspiration «Les Sapeurs»

Wer seit über 70 Jahren ebenfalls sehr grossen Wert auf erstklassige Schuhe legt, sind die einzigartig und schillernd auftretenden «Les Sapeurs». «La Sape» steht für «Société des Ambianceurs et des Personnes Elegantes». Zu Deutsch: «Gesellschaft der Stimmungsaufheller und eleganten Personen». Ihren Ursprung hat die Bewegung in den 60er-Jahren in Brazzaville, der Hauptstadt von Kongo. «Unsere Bewunderung für diese Herren ist gross!», schwärmen die Brüder. In perfekt-geschnittenen Anzügen, meist in knalligen Farben, passenden Hüten, Accessoires und eben den perfekten Schuhen spazieren sie stolz umher. Ein Bild für Götter! Die Motivation, sich so raffiniert herauszuputzen, rührt von der Sehnsucht her, sich von den Anderen zu unterscheiden. Vor allen Dingen aber dient es als Widerstand gegen die Trostlosigkeit und das vorherrschend harte Leben in der eigenen Heimat. Les Sapeurs möchten ihre Umgebung verschönern und geben dafür alles aus, was sie haben. Begeisterte Zurufe erhalten sie, wohin sie auch gehen.


Inspiration Les Sapeurs!
Inspiration Les Sapeurs! (© «Ay Mama» von Singuila auf YouTube)


Pendelnd zwischen der Elfenbeinküste und Basel

Dieses Lebensgefühl, das von Les Sapeurs ausgeht, soll auch mit ihrer eigenen Schuhlinie einhergehen. Auf der Suche nach den schönsten Stoffen in höchster Qualität, wurden Sebastien und Stephan Essia an der Elfenbeinküste fündig. Das war über den Jahreswechsel 2019/2020. «Dort haben wir unseren Schuhproduzenten gefunden», erklärt mir Sebastien und betont: «Die grossartige Qualität seiner Arbeit hat uns überzeugt.» Zurück kamen sie mit zehn Prototypen im Sack, das Echo aus ihrem gesamten Umfeld war gewaltig. Auch auf der Strasse wurden Sebastien und Stephan immer wieder auf ihre Schuhe angesprochen. Und obwohl die feinen Treter eigentlich für die Herren gedacht sind, zeigten auch Frauen Interesse daran. Dies motivierte die Brüder derart, dass sie erneut an die Elfenbeinküste reisten und eine Schuhlinie von neunzehn verschiedenen Modellen anfertigen liessen.


Faire Produktionsbedingungen sind den Brüdern ebenso wichtig wie der ökologische Fussabdruck. Der gesamte Schuh besteht dabei aus Naturmaterialien. Der Bezug zu ihrer Heimat Basel wird in Form des feinen Schuhsacks deutlich gemacht. Es handelt sich hierbei um nicht mehr benötigte Stoffware aus Basel, die zu einem schönen Schuhsack umgenäht wird. Auch sonst wird kein Zentimeter der edlen afrikanischen Stoffe vergeudet. So werden die Überreste beispielsweise als Kordel beim Schuhsack oder für einen Schal verwendet. Die Schuhkreationen können einzeln oder gar als Kombi mit dem passenden Ledergürtel im selben Muster erworben werden.



Echo über Basel hinaus

Letztes Jahr nahmen Sebastien und Stephan mit ihrer Marke «Essia» zum ersten Mal an der «African Fashion Night» in Zürich teil. Die Plattform war perfekt, der Aufbau für das Netzwerk gegeben und das Feedback ebenfalls grossartig. Wer also Lust hat auf Veränderung, vor allen Dingen aber Mut zur Farbe bekennt, der kann sich über ihre Website informieren. Wir können es nicht versprechen, aber Aschenputtel ist der Beweis dafür, dass ein paar neue Schuhe ein ganzes Leben verändern können. In diesem Sinne: Bekenne Farbe!


Viele Dank Sebastien und Stephan und weiterhin viel Erfolg!