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Supersonic-Sam
«Style is...»

«Style is never outta fashion»: Supersonic-Sam

Veröffentlicht am Samstag, 11. April 2020 von Devina Solanki.

Erfinder, Designer, Style-Ikone – lerne den wundervollen Basler Charakterkopf und Selfmade-Man kennen. Supersonic-Sam gewährt dir einen Einblick in sein turbulentes Leben.

Er stammt aus einem Ort, wo sich viele von uns gerne wähnen würden – die Karibik. Genauer: Jamaika. Und er war der Erste, der damals ein äusserst wichtiges Musikelement Jamaikas nach Basel brachte. Das typische «Sound System». Denn wie stark die drittgrösste Karibikinsel die Musikwelt beeinflusst hat, wissen wir nicht erst seit gestern. Da wäre zum Beispiel die Stilrichtung «Mento», welche dem Calypso aus Trinidad ähnelt. Oder «Ska», das unter anderem traditionelle Mento-Elemente mit amerikanischem R'n'B und Rock kombiniert. Sowie dem «Rocksteady», welcher grob ausgedrückt mit seinem gemächlicheren Beat als Vorläufer der Reggae Musik gilt.



Seit den 40er-Jahren aber ebenfalls aus der jamaikanischen Musikkultur nicht mehr wegzudenken sind eben die sogenannten «Sound Systems». Und das ist Sams Hoheitsgebiet. Er war der Erste, welcher in Basel ein solches von A-Z selber anfertigte. Für ein Sound System braucht es drei elementare Komponenten: Eine Signalquelle, einen Verstärker und Lautsprecher. In Kingston, der Hauptstadt Jamaikas, bestanden die ersten Sound Systems aus einem Lastwagen, einem Generator, riesigen Lautsprechern und Plattenspielern. Die Mobilität förderte den Beliebtheitsgrad der Musikanlage natürlich gewaltig. Die Potenz der Sound Systems steigerte sich kontinuierlich, 30’000 Watt und mehr waren und sind keine Seltenheit. Noch heute werden in sogenannten «Battles» um die grössten, schönsten und leistungstärksten Sound Systems gerungen. Soviel als kleiner Einblick in Sams Schaffensgebiet.


Der Sound des Supersonic-Sam

Beginnen wir aber bei ihm selber. «Sam, wie würdest du deinen Stil beschreiben?», möchte ich von ihm wissen. «Ich nehme an, du spielst auf meinen Musikstil an?», fragt Sam zurück und antwortet sogleich: «Ich glaube nicht, dass mein Stil absolut definiert ist. Ich bin ein sehr sensibler und mitfühlender Mensch und wo immer ich Musik mache, richte ich mich nach den Menschen und dem Publikum.»


«Im Alter von ungefähr zwölf Jahren begann man, mich Supersonic zu nennen.»


«Woher rührt denn dein Übername Supersonic?», nimmt es mich Wunder. «Im Alter von ungefähr zwölf Jahren begann man, mich Supersonic zu nennen. Wenn ich ganz ehrlich bin, weiss ich allerdings nicht mehr weshalb», schmunzelt Sam. «Im Alter von neun Jahren begann ich, in der Kirche zu singen. In meinen Teeny-Jahren liebte ich es, als DJ und MC aufzutreten und so kam der erste Kontakt mit dem Reggae-Business zustande. Etwas später installierte ich ein erstes Sound System. Es kamen weitere hinzu und irgendwann mein ganz eigen initiiertes – das Supa Sonic Sound System.»



Der Rückschlag mit Konsequenzen

«1995 verliess ich Jamaika und kam nach Basel. Hier wechselte ich nach ein paar Jahren den Namen meiner Musikanlage zu Sonic Immortal Sound. Es war die Erste ihrer Art und wurde vollständig von Hand angefertigt. Zum Einsatz kam sie allerdings weniger an Partys, wie man hätte vermuten können, sondern hauptsächlich an Ausstellungen – unter anderem in Häusern wie dem Kunstmuseum Basel oder der Fondation Beyeler. Bis ins Jahr 2010 hatte ich somit Auftritte in der ganzen Schweiz. Leider begannen mich dann im selben Jahr meine gesundheitlichen Probleme mit dem Rücken zu quälen.»


«Ich möchte, dass sich die Menschen gut fühlen, wenn ich etwas für sie tue.»


«Über lange Zeit konnte ich nicht mal richtig gehen. Die Probleme und die Schmerzen sind leider immer noch da. Trotzdem versuche ich, wenn immer möglich, wenigstens meine Freunde beim Musikmachen zu unterstützen. Meine Philosophie lautet nämlich: Ich möchte, dass sich die Menschen gut fühlen, wenn ich etwas für sie tue.»



Dieser Mann hat das Herz am rechten Fleck. Dies kommt bei jedem Wort zum Ausdruck. Ich hänge an seinen Lippen und bin beeindruckt. «Trotz oder eben aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen möchte ich gefordert bleiben. Als psychologisch unterstützende Therapie habe ich deshalb begonnen, meine eigenen Kleider zu schneidern. Ich entwerfe, und mit Hilfe einer Lehrerin setze ich meine Entwürfe um», lässt mich Sam stolz wissen.


«Das Gefühl, seine selbstentworfene Kleidung zu tragen, ist grossartig!»


Praktisch alle Kleider auf den Bildern sind von Sam designt und angefertigt. «Das Schneidern hilft mir sehr, es lenkt mich von meinen Schmerzen ab und ich kann kreativ tätig sein. Das Gefühl, seine selbstentworfene Kleidung zu tragen, ist grossartig», erzählt Sam und lacht.


Der Gehstock, der nichts mit Dandy-Style zu tun hat

Nachdenklich erzählt er mir: «Viele Leute wissen nicht, dass ich unter ständigen Schmerzen leide, da ich gegen aussen immer mein stärkstes Ich zeige. Wenn sie mich dann mit dem Gehstock sehen, denken sie, es sei ein Mode-Jux. Leider muss ich diesen die ganze Zeit über benutzen. Ich wurde geboren, um aktiv zu sein und habe unzählige Hobbys. Doch kann ich viele aufgrund meiner aktuellen Situation nicht verfolgen. Gott sei Dank habe ich in meinem Leben aber schon so viel getan und umgesetzt, dass mir auch die Erinnerungen daran helfen, vorwärts zu schauen. Sehr dankbar bin ich auch für meine Freunde, welche mich unterstützen und mir viel Energie geben.»



Das Beste kommt zum Schluss: Seit bald zwei Jahren arbeitet Sam mit Unterstützung an seinem neuen Sound System, welches im Sommer dieses Jahres unter dem Namen Sonic Immortal Sound System daherkommen wird. Es wird nicht nur anders aussehen, als dass man es sich gewohnt ist, sondern auch einen ganz anderen Energieumlauf haben. Mehr verrät Sam nicht, ausser dass er sich riesig darauf freut. Und wir sind ebenso gespannt.


Vielen Dank, Sam, für den Einblick in deine Welt, wir wünschen dir alles Gute!