Trueschool
Grills

PUCCIO aka KALMOO TNN
«Style is…»

«Style is never outta fashion»: PUCCIO aka KALMOO TNN

Veröffentlicht am von Devina Solanki

Devina Solanki — Das Reisen ist das Blut in meinen Adern und zwar auf jeglichen Ebenen; sei‘s in die kraftvolle Welt der Metaphysik und Semiotik oder rund um den Globus!
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«Danke Hip Hop!» Das ist der letzte Satz von Puccio mit Künstlername Kalmoo TNN, nachdem ich ihn zu seinem Stil befrage. Weshalb beginne ich mit dem Schlusssatz?

Weil die Dankbarkeit, für ihn ein zentrales Element, ihn mit einer Kultur verbindet, der er sehr viel verdankt, die er lebt, die ihn seit über 30 Jahren ununterbrochen bewegt und in welcher er, nebst seiner mittlerweile drei erwachsenen Söhnen, seine ganze Schöpferkraft entfalten kann!

Und was hat das mit Stil zu tun? Sehr viel. Denn Stil ist eine Haltung. Eine Einstellung. Genauso wie die Literaten der Beat Generation und die Punks ihr Gedankengut und ihre nonkonformistische Einstellung bis zu ihrer Kleiderwahl heruntergebrochen haben, tat oder tut es die Hip Hop Kultur immer noch. Allen gemein ist im Grunde eine Bewegung gegen das Establishment und sozialkritische und politische aufrüttelnde Botschaften.

Und Puccio hat vor allem in diesen beiden Bereichen viel zu sagen, sein Künstlername Kalmoo kommt auch nicht von ungefähr, sondern aus dem arabischen und heisst: «Ich möchte euch etwas mitteilen». Alles was er sieht und erlebt verarbeitet er mittels Bleistift und Notizblock zu Rap. Als klassischer Secondo süditalienischer Eltern ist er nicht nur der italienischen Sprache mächtig, sondern auch mit Mundart aufgewachsen.

1988 rief Puccio mit fünf Freunden die Posse «The Slum Brothers» welche sich aus Sprayern, MC’s, DJ’s, Beatboxern und Tänzern zusammenschloss ins Leben. Zuerst versuchte er sich im Breakdance und Graffiti, merkte aber schnell, dass es zwar die Lettern sind, die ihn faszinieren, vor allem aber das gesprochene Wort. Von da an war das wortwörtliche Schweigen gebrochen. Ein Jahr später veröffentlichte Kalmoo TNN nämlich seinen ersten und politischen Song in englischer Sprache «Go for PLO», welcher er für einer seiner besten Freunde und Wegbegleiter, Aimee aka DJ Philister aus Palästina geschrieben hatte. Es war der erste gerappte Song über den (nicht nur) jugendlichen Aufstand, der ersten Intifada, der Palästinenser überhaupt. Dieser musikalische Aufschrei erreichte derart Gehör, dass Puccio im selben Jahr aus Berlin eine Auszeichnung des palästinensischen PLO Vertreters in Europa entgegennehmen durfte.

1990 fusionierten die beiden bekannten Posses, «8513» und «The Slum Brothers» und gründeten zusammen «TNN», das für The Notorious Notators steht. Ein anderes Highlight war, als er zusammen mit Red Gee, seinem TNN Bruder, 2003 im legendären Beat Street Record Store in Brooklyn New York sein eigenes Album «Keine e Froog?» im Regal entdeckte! Basler Rap in der Koryphaë aller Record Stores der Eastcoast! Die Mission der Reisen nach New York sind keine Urban Legends. Nebst dem Kauf unzähliger Vinyls und dem Einsaugen des Hip Hop Spirits gings vor allem auch um das Aufspüren limitierter Sneakers. Die Jagd der damaligen Statussymbole brachte sie in gefährliche Quartiere. Die Bewunderung in Basel aber war unbezahlbar. Ebenfalls nicht günstig, aber einiges mehr an emotionalem Wert stellen die Grills aus 16 Karat Gold dar, welche er auch im Big Apple angefertigt hat. Die Lettern Kalmoo prangern in Weissgold auf dem typischen Zahnschmuck. Natürlich gibt es etliche Schnitte, Kennzeichen und Marken, welche die Oldschool Hip Hop Zeit charakterisieren. Seien es samtene Trainerhosen der Marke Fila oder limitierte, ja sogar signierte T’Shirts von Rappern.

Aber auch wenn man sich schon eine gefühlte Ewigkeit in dieser Kultur bewegt. «Plötzlich» ist man 40 und meint, weil einen Rapper der ziemlichen Anfänge wie Public Enemy, Rakim, Rund DMC usw. geprägt haben, sei man «Oldschool», sagt mir Puccio. Das stimmt aber nicht. Denn damals waren sie ja schon Newschool. Wie würde er denn sich und seine Generation bezeichnen? «Trueschool». Es sei allerdings vollkommen egal, aus welcher Epoche man komme. Denn, auch wenn die Jungen heutzutage eine andere Welle fahren, es gibt Viele, die ja dasselbe wollen wir wir: Bewegen, etwas kreieren, sich ausdrücken! Deshalb unterstützt er auch die Jungen, denn sharing is caring. Sein letztes Album «Alli wänd antworte» transportiert diese Message in einem anderen Sinn: «Trotz allem was passiert und auch wenn dich das Leben schlägt, bleib auf jeden Fall positiv eingestellt. Bewahre das Kind in Dir und sei dankbar für alles.» Dass seine Reise mit 44 Jahren noch nicht vorbei ist, beweist sein drittes Soloalbum «Egomat», welches demnächst erscheint.

Für seine Werke, für sein Stil und für seine Freundschaft sage ich deshalb ebenfalls: Danke Hip Hop!



«Style is…»