Basler in New York
Liebesgeschichte

New York

Eine Basler Liebeserklärung an New York

Veröffentlicht am von Devina Solanki

Devina Solanki — Das Reisen ist das Blut in meinen Adern und zwar auf jeglichen Ebenen; sei‘s in die kraftvolle Welt der Metaphysik und Semiotik oder rund um den Globus!
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... oder wenn aus zwei 20 Jahre werden – Wenn die Liebe zur Musik zu den grossen Lieben des Lebens führt!

Das hätte Marc Bächle wohl nie erahnt. Mit gerade mal 19 Jahren und der frisch bestandenen Matura erhielt er die Zusage für ein Stipendium am Berklee College of Music in Boston. Bereits einen Monat später sass er mit seinem älteren Bruder, welcher ihm, trotz Mut und voller Entdeckergeist, seelischen Beistand leistete im Flugzeug. Er dachte sich, er probiere es einfach mal aus. Nebst seinen Instrumenten Schlagzeug und Klavier studierte er Komposition und Filmmusik. Das Studium war hochinteressant und ebnete den Weg für Beziehungen für’s Leben. Boston aber war ihm nicht nur professionell wohl gesinnt, sondern auch privat. Zur selben Zeit lernte er seine Frau Charmaine aus Genf kennen, welche zufälligerweise als Touristin in Boston war. «Das war ein Glückstreffer!» schwärmt Marc.

Studio in East Hampton

Nach dem ersten Jahr folgten ernste Gespräche mit seinen Eltern, die ihn aber immer pausenlos und unermüdlich auf seinem Weg unterstützen. Er hat nie gezögert und findet auch, dass junge Menschen unbedingt weg sollen, wenn sie das wollen. Es kann einen nur bereichern. Es war allerdings überhaupt nicht immer einfach; als er in Boston angelangte, musste er sich blitzschnell «life skills», wie er es nennt, aneignen und lernen, sich selber durchzuschlagen. «Es gibt im Leben keinen besseren Weg, sich selber zu entwickeln und zu entdecken, als dass man sich herausfordert und zusammenrappelt, wenn es einen umhaut. Das lernt man in Amerika sofort: Es leistet einem keiner Beistand. Wenn man aber genügend Kraft investiert, kann man hier wirklich alles tun.» – «If you can make it here, you can make it anywhere», beteuert mir Marc.

Bei der Arbeit als Orchestrator und Dirigent am Film Noah von Darren Aronofsky mit Komponist Clint Manuell (r.) und Tonmeister Geoff Foster (l.) (Foto: Niko Tavernise)

Nach dem Studium wollten Charmaine und er zusammenziehen und karrierebedingt kamen entweder New York oder Los Angeles in Frage. Da sie aber beide in New York verliebt waren, hiess es wieder: Probieren wir es einfach mal aus! Mit einem Minivan, einer Matratze, ein paar Pfannen und einer CD-Sammlung machten sie sich auf den Weg in den Big Apple! Charmaine hat ihr ganzes Hab und Gut minimiert und in zwei Koffer verfrachtet. «Die Frau hat Mut und Stil!», schmunzelt Marc. Anfangs war es ein Riesenabenteuer, sie hatten aber immer wieder Glück mit Jobs, Wohnungen und Freunden. Ziemlich schnell fand Marc dann aber, zuerst als Assistent und dann als Freischaffender in der New Yorker Filmmusikszene, gute Arbeit. Unglaubliche 20 Jahre später hat er sich heute als selbständiger Filmmusikkomponist einen Namen gemacht, während Charmaine als Catering und Events Director im Rennen ist.

Blick von Brooklyn nach Manhatten

Ist New York immer noch sein Lieblingsort?
Sofort und ohne zu zögern, antwortet er mir: „Ja, ich liebe New York!“ Ihm gefällt das schnelle Leben und die buntgefächerte, immer wechselnde Menschenflut. Natürlich kann Manhatten auch schon etwas heftig werden, schliesslich ist es eine Grossstadt. Deshalb wohnen sie, nach einem fünfjährigen Abstecher in SoHo auch wieder in Brooklyn in der Gegend von Carroll Gardens, wo es etwas ruhiger zu- und hergeht. Es sei schon fast gemütlich, wenn man dort zur U-Bahn rauskommt! Ein Bijoux haben sie sich aber vor ein paar Jahren mit einem Beach House in East Hampton zugelegt. Es ist der Ort, wo seit 60 Jahren Künstler und Musiker wie Jackson Pollock, Willem De Kooning und Lou Reed Zuflucht gesucht haben. Somit verfügen sie neben gewolltem Grosstadtrummel auch über eine Oase, in welcher man auch ungestört arbeiten kann.

Was gefällt ihm am Besten?
Das sei schwierig zu sagen, ohne klischeehaft zu wirken. Objektiv gesehen, gäbe es so unglaublich viele sehens- und hörenswerte Dinge. Orchester, Jazz, Film, Museen, alles sei erstrangig. Subjektiv, die Metropolitan Opera, die crème de la crème halt! Architektonisch gefällt ihm sein Wahlwohnort natürlich auch, die Skyline, der Kontrast zwischen dem praktisch immer stahlblauen Himmel und den typischen roten Backsteinen in Brooklyn. Der beste Ort in der Millionenstadt wird aber immer der Central Park sein! Es sei ein grossartiger Wurf, diesen Riesenpark mitten in ein Strassennetz zu setzen. Ohne die Lunge der Stadt wäre New York ein Schlamassel. Lange war Marc auch nicht bewusst, dass die Natur so nahe liegt, mit dem Auto sei man in 45 Minuten am Strand, auf einer Skipiste oder im schönen Hudson Valley. Zu den weiteren Vorteilen gehört die berufliche Vielfalt und die Schaffensmöglichkeiten. Mit dem riesigen sozialen Umfeld ist Langweile ein Fremdwort. New York ist deshalb auch kein Ort für Aussteiger. Für ihn wie alle anderen die Lebenshunger verspüren, ist der Big Apple hungerstillend. Apropos Hunger, es fiele ihm sehr, sehr schwer, sich der Vielfalt an Restaurants zu entwöhnen.

Gibt es Nachteile?
Dass er so weit von seiner Familie weg sei. Er habe deswegen noch immer ein schlechtes Gewissen. Trotz allem pflegen sie aber einen guten Kontakt und enge Beziehungen. Man sieht sich halt nicht jede Woche, dafür geniesst man gegenseitige Besuche umso mehr.

Gibt es Tipps?
Konkrete Tipps gibt er lieber keine ab, der ständige Wandel ist derart schnell; was heute hip ist, kann morgen bereits für tot erklärt sein. Für Bars, Restaurants und die Musikszene hält sich Williamsburg in Brooklyn aber konstant. Toll sei auch, dass man sich mit dem Fahrrad endlich nicht mehr zu fürchten braucht.

Besucht er Basel regelmässig?
Ein- bis zweimal jährlich. Als leidenschaftlicher Tambour wenn immer möglich an der Fasnacht. Wenn er ab und an geschäftlich mit Deutschland oder England zu tun hat, gibt’s einen Abstecher. Er liebt es, die Schweiz als Besucher, fast schon als Tourist wahrzunehmen. Natürlich kennt er in Basel noch jede Ecke, er geniesst es aber viel bewusster.

Wie zeichnen sich die New Yorker ihr Bild vom Schweizer, speziell vom Basler?
Generell sei das Bild der Eidgenossen nach wie vor sehr positiv, er oute sich also immer noch gerne als Schweizer. Lustigerweise kennt man Basel mittlerweile durchs Band durch. Das war früher nicht so, aber mit der Art Basel Miami stieg der Bekanntheitsgrad erheblich an.

Charmaine und Marc