Klemens Niklaus Trenkle

Santiglaus, Zwerg & Mörder

Kennsch?

Veröffentlicht am von Janine Wagner

Janine — quer denken - geradeheraus schreiben.



Sein Äusseres irritiert die Leute. Sie schauen weg, vermeiden es, im Tram neben ihm zu sitzen. Dabei ist Klemens Niklaus Trenkle ein Filmstar. Basellive hat sich mit dem auffällig unauffälligen Basler getroffen.

Kennst du Walter? Den Weltenbummler, der sich in Kinderbüchern versteckt und im Gewimmel von Grossstädten und Menschenaufläufen gesucht werden muss? Mit Klemens verhält es sich ein wenig wie mit Walter. Schaut man genau hin, läuft er einem fast täglich über den Bildschirm. Doch von vorne:

Kennengelernt habe ich Klemens bei einem Video-Dreh im Joggeli. Wir hatten beide eine kleine Statisten-Rolle. Für mich war es die erste Erfahrung an einem Film-Set. Für Klemens nicht, das wurde klar, als er beim Eintreffen mit grossem Hallo begrüsst wurde. Klemens kannte alle. Regisseur, Kameramann, Assistenten, Maskenbildner, Ausstatter, Caterer – und alle kannten Klemens.

Seit diesem Tag begegnet mir Klemens ständig. Auf Plakaten, in Filmen, Musikvideos und Werbespots; er ist da. Als liebenswerter Opi, lustiger Zwerg oder mörderischer Psychopath. Als Santiglaus, Krieger, Polizist, Feuerwehrmann, Kursteilnehmer, Waldmensch. Ich kann heute keinen Film und keine Werbung mehr gucken, ohne unbewusst nach Klemens zu suchen. Und sehr oft werde ich fündig.

Von James Bond bis Star Wars
So hat denn auch Klemens die Anzahl seiner Rollen längst aufgehört zu zählen. Seine Filmographie liest sich wie die eines Hollywood-Stars. «James Bond - A Quantum of Solace», «Star Wars – Solo», «Hellstone», «Verblendung», «Nachtzug nach Lissabon», «Die Herbstzeitlosen» oder «Giulias Verschwinden» stehen auf der Liste. Zudem zahlreiche Tatort- und Hunkeler-Produktionen, Musik-Videos mit Seven, Greis oder Florian Ast, Werbespots von Migros, Valser, Heks – fast wirkt es etwas surreal, dass dieser Mann mit dem imposanten Bart seit zwei Stunden im St. Johanns-Park vor mir sitzt, erzählt und an einer Apfelschorle nippt.

Doch wie kam es dazu, dass Klemens Niklaus Trenkle heute quasi weltberühmt ist? Der 55-jährige Lehrer-Sohn wuchs in Basel auf und wurde bereits früh mit der Film-Leidenschaft infiziert. «Mein Vater war ein Hobby-Filmer. Ich war in unseren Familienfilmen oft für die Zweitkamera verantwortlich und machte Fotos. Mit meinen Freunden drehte ich in der Freizeit Super-8-Filme», erzählt Klemens. Sein technisches Know-How vertiefte er, indem er Zeitschriften studierte und elektronische Leiterplatten lötete, die er schliesslich zu Synthesizer zusammenbaute.

Nach der Matur begann er, bei GIG SM Elektronik AG, dem damals grössten Synthesizer Fachhändler der Nordwestschweiz, zu arbeiten. Später leitete er das Unternehmen und führte weitere Musik-Elektronik und Musikinstrumenten-Fachgeschäfte. Heute besitzt Klemens rund 1500 Keyboards, 300 Orgeln und etwa 1000 Effektgeräte, die er derzeit zusammen mit seinem Verein «SMEM - Swiss Museum & Center for Electronic Music Instruments» in seinem Museum für elektronische Musikinstrumente pflegt und der Oeffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Durch seine Leidenschaft für Elektronik kam er schon früh mit Musikern, Theater- und Filmschaffenden in Kontakt. Die Schweizer Film-Szene ist deshalb sein zweites Zuhause – nicht zuletzt, weil er sich laufend vor- und hinter der Kamera einsetzt, als Supporting Actor, Model, Aufnahmeleiter, Tontechniker oder Line Producer.

Sympathisch, unauffällig und bescheiden
Ein Statist verdient pro Tag in der Schweiz rund 100 Franken. Anreise und Übernachtung sind selbst zu bezahlen. Ein ziemlich zeitaufwändiges Minusgeschäft, in den meisten Fällen. Doch ums Geld geht es Klemens nicht. Er ist einfach unglaublich interessiert. «Für mich ist jede Produktion Weiterbildung. Ich sehe, wie meine Kollegen arbeiten und beobachte die Konkurrenz, immer und immer wieder. Mit dem Ergebnis, dass mich in der Schweiz vermutlich jeder schon einmal irgendwo gesehen hat», lächelt er verschmitzt.

Zweifellos wäre Klemens in den Staaten ein reicher Superstar. Hier in Basel ist er’s nicht. Für Starallüren ist er zudem viel zu unaufgeregt, zu ruhig und zu bescheiden. Auch wenn er bereits mit Weltstars wie Daniel Craig gedreht hat, die Pinewood Studios in London von innen kennt oder als Darsteller für einen amerikanischen Werbespot gebucht war, der am Super Bowl lief. Klemens ist nach wie vor nervös, wenn er eine Sprechrolle hat und ehrfürchtig, wenn er einen «echten Star» trifft. Menschenmassen schrecken ihn ab, er schätzt die Überschaubarkeit Basels und hat gerne seine Ruhe.

Trotzdem darfst du ihn gerne ansprechen, wenn du das nächste Mal neben ihm im Tram sitzt. Auch wenn sein Bart ein wenig furchteinflössend wirken mag – die Lachfältchen um die Augen verraten ihn: Er ist eindeutig der liebenswerte Grosspapi und nicht der fiese Psychopath.

www.klemensniklaustrenkle.com

Bilder: Gabriel Hill, Gian Paul Lozza, Aurélia Marine



Kultur