Baloise Session

Messe Basel

Die Soul-Lady macht den Handstand

Veröffentlicht am von Janine Wagner

Janine — quer denken - geradeheraus schreiben.



Am Sonntag, 21. Oktober, spielt Nicole Bernegger als Supporting Act von John Legend an der Baloise Session. BaselLive hat sie zum Stadtspaziergang getroffen.

Nicole Bernegger freut sich über das Leben, den tollen Herbst und auf ihr neues Album, das nächstes Jahr erscheint.

Zwanzig Jahre ist es her, als Nicole Bernegger von ihrem Heimatdorf im Aargau in eine Mädels-WG an der Elisabethenstrasse 10 zog. Ganz oben im Pfarrhaus wohnte sie in einem kleinen Zimmer und genoss die Vorzüge der Stadt als junge Studentin. Nicole ist eine, die gerne und gut Wurzeln schlägt. Beim Proben mit der Band genauso wie beim Feiern mit Freunden. Und so ist sie auch heute, obwohl sie seit vielen Jahren in Birsfelden wohnt, noch tief mit der Stadt verbunden.

«Basel hat etwas Gemütliches», sinniert sie, «hier komme ich zur Ruhe». Zwar ist sie heute nicht mehr ganz so oft unterwegs, doch hin und wieder kommt sie mit ihren drei Kindern in den Kannefeldpark oder trifft sich mit Freunden im Hirschi zum Jassen. So ist es denn auch das Kleinbasel, das wir auf unserem gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt als erstes ansteuern, weil Nicole die urigen Kneipen und die unkonventionellen Konzertlocations auf dieser Seite des Rheins besonders liebt.

Zwanzig Jahre ist es her, da lebte Nicole an der E10 - der Elisabethenstrasse 10 - mit zwei Freundinnen in einer WG.

Unkompliziert und praktisch veranlagt

Es ist viel passiert, seit die Sängerin 2013 die Castingshow «The Voice of Switzerland» gewann und auf einen Schlag die ganze Schweiz wusste, wer die grosse Blondine mit der eigenwilligen Frisur ist. Dennoch: Angesprochen wird sie hierzulande kaum. Die Leute sind diskret. Sie gucken bloss. Und ja, manchmal gäbe es auch einen Spruch, so à la «ach, git’s im Coop hüt Musig?», erzählt Nicole und setzt sich in ihren grünen 50er Jahre Marlenehosen ans Rheinufer.

Grundsätzlich lebt sie ihr Leben wie bereits vor dem Sieg bei der TV-Show. Und geht auch gerne ungestylt und im uralten Trainerjäggli zum Einkaufen. «Die Kinder haben aus mir einen sehr praktischen Menschen gemacht», schmunzelt sie. «Ich habe gerne warm und ich bleibe gerne trocken. Und wenn du diese Frisur siehst» - sie zeigt auf ihre imposante Haarkonstruktion - «dann erkennst du sofort: Hier passt keine Kapuze drüber. Und auch kein Velohelm.»

Derzeit kommt die Soul-Lady nicht allzu oft dazu, am Rhein zu sitzen und die Sonne zu geniessen.

Dass sie bei «The Voice of Switzerland» mitgemacht hat, hat Nicole nie bereut. Auch wenn sie zugibt, dass es wohl nicht ganz so sexy ist, die Karriere durch eine Fernsehshow voranzutreiben. «Heute kann ich als Sängerin arbeiten, ich kann mir mein Team selbst zusammenstellen, meine Musiker bezahlen, mir ein Studio aussuchen», erzählt sie und blinzelt in die Herbstsonne, die tief über dem Rhein steht. «Zudem habe ich gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen und selbständig meinen Weg zu gehen. Und ich habe sehr viel Selbstvertrauen gewonnen.»

Im Hinblick auf die Baloise Session mischen sich Vorfreude und Respekt.

«Ich bin musikalisch heim gekommen»

Sie wirkt denn auch überaus zufrieden und ausgeglichen, wie sie so an der Promenade sitzt und auf das Wasser blickt. Und das, obwohl sie gerade von einem Radiotermin kommt und tags darauf für zwei Wochen ins Studio nach Bayern fährt, wo sie mit ihrer Band ein neues Album aufnehmen wird, das im Laufe des nächsten Jahres erscheinen soll. Für das Konzert mit John Legend unterbricht sie die Aufnahmen und reist für einen Tag zurück nach Basel.

Gestresst ist sie durch dieses Hin und Her nicht. Sie freut sich darauf, John Legend an der Baloise Session zu supporten. Hat aber auch Respekt: «Wenn ich als Supporting Act gebucht bin, zittern mir immer ein wenig die Knie, weil das Publikum ja eigentlich nicht wegen mir da ist.» Zudem wird sie erstmals ein komplett neues Set mit eigenen Songs singen. Es sind Songs voller Soul. Songs, die kompromisslos all das vereinen, was sie liebt. «Ich bin musikalisch heim gekommen», strahlt sie. «Jetzt bin ich gespannt, ob das Publikum dies zu schätzen weiss.»

Nur einen Wunsch hat sie für ihren Auftritt am Sonntagabend: «Das Schönste wäre, wenn die Leute am Ende des Konzertes auf den Stühlen und Tischen stehen würden.» Vielleicht liegt es am herrlichen Herbstwetter oder an der Vorfreude auf das Konzert, jedenfalls fügt sie wagemutig hinzu: «Wenn das passiert, verlasse ich die Bühne im Handstand. Versprochen.» Ab auf die Tische, das wollen wir sehen!

Bühnenschuhe sind unbequem. Privat muss es daher bequem und praktisch sein.

Was: Baloise Session «An Evening with John Legend & Nicole Bernegger»
Wann: 21. Oktober 2018
Wo: Messe Basel

www.baloisesession.ch
www.nicolebernegger.ch


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