Gerade in der durch Corona erzwungenen Reisepause waren diese Lieder eine noch so willkommene Reisemöglichkeit. Und dies in Länder, die sonst einen Flugzeugsprung entfernt sind und nun doch so unerreichbar wurden. Plötzlich schienen sie noch weiter weg als je zuvor. Oder fast so entfernt wie für Beethoven zu seiner Zeit.
Umso lieber haben wir uns mit der Einstudierung dieses Programms (grossenteils in Onlineproben) befasst, um somit die Reisefreuden nicht entbehren zu müssen.

John Dowlands (England, 1563-1626) Lieder, teils für Solostimmen, teils für mehrere Stimmen mit oder ohne Lautenbegleitung konzipiert, sind während der Jahrhunderte schon fast zum „national treasure“ Englands geworden. Generation nach Generation der Zuhörer bezaubern und verführen sie durch ihre innige Melancholie, Sehnsucht, Lebensfreude und Leid sowie durch die Schönheit der Textkunst wie der Klangästhetik des 16.Jahrhunderts, der englischen Renaissance.

Im 19.Jahrhundert gab es in den meisten europäischen Ländern eine Bewegung des Nationalbewusstseins. Hierzu gehörte u.a. die Bewegung zur Sammlung und Erhaltung von Volksliedern und Geschichten. So auch auf den britischen Inseln. In Schottland war es George Thomson (1757-1851), ein Verleger aus Edinburgh, der zuerst Peyel, Kozeluch und Haydn damit beauftragte, die von ihm zugesandten Volksmelodien zu bearbeiten. Nach dem diese Komponisten jedoch abgesagt oder ihre Tätigkeit eingestellt haben, hat er sich an Ludwig van Beethoven (1770-1827) gewandt. Beethoven hat die Anfrage angenommen. Doch die Kommunikation zwischen Edinburgh und Wien erwies sich als äusserst langwierig. Angesichts der während der napoleonischen Kriege noch fehlenden Dienstleistern wie DHL und der unverlässlichen Postboten und Schmugglern sind mehrere Sendungen verloren gegangen.
So sind die in 11 Jahren zwischen 1809 und 1920 entstandenen 179 schottischen, walisischen und irischen Volkslieder erst nach und nach von Beethoven zu Thomson gelangt.
Da Beethoven für viele der zu bearbeitenden Melodien keinen Text erhielt, bearbeitete er sie quasi blind. Erst nachträglich beauftragte G. Thomson namhafte DichterInnen mit einer Nachdichtung einzelner Lieder, so etwa Robert Burns, Lord George Byron oder Anne Grant.
Trotzdem, dass Beethoven nie die britischen Inseln besucht hatte, vermittelt uns seine einzigartige Bearbeitung dieser Lieder in einer Begleitung durch klassisches Klaviertrio einen wundervollen Einblick in die Volksmusik der verschiedenen schottischen, irischen und walisischen Regionen.
Wir tauchen in die schottischen Highlands, ins „beloved Erin“ (gälischer Name für Irland), bewundern die Berge, die Kindheitstage im geliebten Tal, den See, die Flussufer, an denen man so manche freudigen Stunden verbracht hat. Die Soldaten besinnen sich der gefallenen Kameraden, die für ihr Heimatland ihr Leben opferten, ihrer Kommandanten im Krieg, fragen, ob jemand den Boni (Napoleon Bonaparte, gegen den sie kämpften) gesehen hatte, wie sie im Pub das Leben, den heute überlebten Tag genossen, ihre täglichen Kriegstraumata im Weinkelch versenkt haben, sich auf ihren Schatz gefreut haben, von ihrem Lächeln träumten…

Gwyn Arch’s Irish Folk-Songs sind Chorbearbeitungen von beliebten Melodien aus irischen Pubs. Arch hat auf diese populäre Weise unzählige Lieder Chören sowie ihrem Publikum zugänglich gemacht. Darunter sind Liebes-, Heimat- und Trinklieder mit melancholischen, sehnsuchtsvollen und frechen Texten.

Der bereits oben erwähnte, in Prag und Wien wirkende Komponist Leopold Kozeluch (1747-1818) hat sich am Rande seines umfangreichen Schaffens (über 400 Kompositionen, darunter Opern, Sinfonien, Kammermusik) im Stil, welchen wir heute als „Wiener Klassik“ bezeichnen, auch mit den von George Thomson eingesandten Melodien befasst. Dies allerdings für die Besetzung eines Klaviertrios (Violine, Violoncello, Klavier). Gerne spielen wir ihnen Ausschnitte aus zwei dieser „Schottischen Trios“, vom Komponisten als „Sonatas“ bezeichnet, vor: Aus dem G-Moll sowie dem A-Dur Trio jeweils die dritten Sätze. Sicherlich erkennen Sie darin das eine oder andere Lied, welches wir in Bearbeitung von Beethoven mit dem Chor vortragen.

Um die Klangcharakteristik der britischen Inseln in unserem Konzert vollkommener zu gestalten, haben wir den Basler Bagpipes (Dudelsack)- Künstler Stephan Züger gewinnen können, mit uns zu spielen.
Am Klavier werden wir von Dominic Chamot, an der Violine Simone Schmidlin und Violoncello Michele Marrini, alle Basler Künstler, begleitet.

Viel Spass beim Zuhören!