Seit bald 120 Jahren zieht der Globus am Marktplatz die Menschen in Bann. Doch seit wann ist Shopping eigentlich eine Freizeitbeschäftigung? Und wie umgehen mit verändernden Bedürfnissen? Eine kleine Reise vom 19. Jahrhundert ins Jetzt.

Porzellan, Unterröcke, Briefpapier, Hüte, Kristallwaren, Enzyklopädien, Manschetten und Pfannen; dies alles und noch viel mehr gab es Ende des 19. Jahrhunderts in den ersten Warenhäusern Basels zu kaufen. Sie hiessen ‘Knopf’, ‘Magazine zum wilden Mann’ und ‘Warenhaus Brann’, Ihr Vorbild: Paris! In der französischen Hauptstadt stellte das Warenhaus ‘Au Bon Marché’ den Detailhandel bereits seit 1838 auf den Kopf. Hier wurde erstmals in der Geschichte ein grosses Warensortiment hübsch unter einem Dach präsentiert. Die Preise waren fix, es gab kein Feilschen, dafür ein Recht auf Umtausch und der Eintritt war für alle frei – eine Revolution! 

Um 1900 war das Warenhaus ein magischer Ort voller verführerischer Möglichkeiten, eine Traumwelt in pompöser Architektur. Es faszinierten nicht nur mit einer enormen Auswahl an Produkten, sondern auch mit technischem Fortschritt wie Glühlampen, Heizungen oder Fahrstühlen. Neu waren auch die Reklamen und die grossen Schaufenster, in denen Waren hübsch präsentiert wurden. Plötzlich verkörperte Einkaufen einen schicken und modernen Lebensstil. Die konsumorientierte Gesellschaft war geboren. 

Am Ende geht’s uns darum, den Menschen ein gutes Gefühl zu vermitteln.
Ricarda Boucinha

Früher Unterhaltung, heute Inspiration
Zur selben Zeit wurde Basel zur Grossstadt mit über 100'000 Einwohnenden, die ernährt, beschäftigt und unterhalten werden wollten. Das kam den Warenhäusern in der Innenstadt zugute. Auch der Unternehmer Julius Brann witterte gute Geschäfte und liess 1904 am Marktplatz von den Basler Architekten Romang & Bernoulli einen imposanten Jugendstilbau für sein Warenhaus errichten – 1907 zog hier der Globus ein und blieb bis heute. Jede Baslerin, jeder Basler kennt ihn seit der Kindheit. Auch Standortleiterin Ricarda Boucinha. «Ich erinnere mich daran, wie mich meine Mutter jeweils am Donnerstag zum Abendverkauf mitnahm. Bis 21 Uhr konnte man da shoppen ...» Ricarda führt das Traditionshaus in ihrer Heimatstadt mit Stolz. Ihre Karriere startete sie bei Spengler, wechselte später zu Schild und kam mit Mitte 20 zu Globus, wo sie verschiedene Stationen durchlief. Bereits mit 30 leitete sie den Globus in Bern Westside, seit der Wiedereröffnung des ursprünglichen Standortes am Marktplatz ist sie zurück in Basel.

Dass es den Globus nach wie vor gibt – notabene auf derselben Fläche wir vor 120 Jahren – ist nicht selbstverständlich. Zahlreiche Warenhäuser mussten im Laufe der Zeit schliessen. Berühmte Einkaufspaläste wie das KaDeWe in Berlin, Harrods in London und auch Au Bon Marché in Paris gibt es bis heute, weil sie sich den verändernden Bedürfnissen entsprechend weiterentwickeln. Und so tut es auch der Globus. Als Warenhaus der Zukunft fokussiert er sich heute auf Inspiration, Erlebnis und eine sorgfältig kuratierte Auswahl an Produkten.

Zwischen 2022 und 2025 wurde das Gebäude komplett entkernt und neu gebaut. Nur die Fassade blieb, wenn auch die Arkaden geschlossen wurden. Heute findet man im Globus auf 6000 m2 verteilt auf sechs Stockwerken über 1000 Marken. «Die Markenfinesse ist sehr stark geworden in den vergangenen Jahren – auch bei der sehr jungen Generation», weiss Ricarda. «Wir spüren das deutlich bei den Düften. 200 bis 300 Franken für einen Duft auszugeben ist für die Gen Z kein Problem mehr.» Die grosse Nachfrage nach gewissen Marken hat auch mit Social Media zu tun, wo immer wieder einzelne Marken gehypt werden.

Lokale Brands, Premium-Marken und top Service
Die Verknüpfung von Online-Shopping und persönlicher Beratung vor Ort, der grosse Mix von internationalen wie auch lokalen Brands, die öffentliche Dachterrasse, die Personal Shopping Lounge, der neue Lichthof mit der Rolltreppe, das zauberhafte und bei Influencern beliebte Treppenhaus der Architekten Miller & Maranta, der hübsche Hintereingang am Martinskirchplatz, das hilfsbereite Personal, die verführerische Auswahl – der Globus ist in einem neuen Zeitalter angekommen. «Und dennoch sind wir dem Konzept vom Warenhaus treu geblieben», findet Ricarda. «Auch vom Namen her – bei uns findet man tatsächlich Produkte aus der ganzen Welt.»

Man merkt, der Globus liegt den Leuten am Herzen.
Ricarda Boucinha

Die Bevölkerung freut’s. 650'000 Menschen besuchten den Globus in den ersten drei Monaten. Bis heute bekommt Ricarda Mails und Briefe von Kundinnen und Kunden. «Man merkt, der Globus liegt den Leuten am Herzen.» Aufgrund der Rückmeldungen wurden bereits kleine Anpassungen vorgenommen. So ist die Gästetoilette nun in einem helleren Ton gestrichen, vereinzelte Marken wurden ergänzt. Das Globus-Team setzt sich täglich mit viel Leidenschaft und Freude ein für ein schönes Einkaufserlebnis. Das traditionsreiche Warenhaus am Marktplatz ist ein Wahrzeichen der Stadt und soll es bleiben. «Am Ende geht’s uns darum, den Menschen ein gutes Gefühl zu vermitteln», so Ricarda. Die traditionsreiche Geschichte des Hauses vergisst sie dabei nicht. In ihrem Büro hängen Globus-Fotografien längst vergangener Tage.