Ich sitze am Computer. 2. Stock, irgendwo im Kleinbasel. Der Himmel ist grau. Aus dem Fenster blickend suche ich Inspiration. Auf der regennassen Strasse donnern Autos und Busse vorbei. Gegenüber vier Etagen Glasfenster dicht an dicht, abgetrennt durch Betonplatten. Hinter halb heruntergelassenen Alu-Rollläden Bildschirme, Bürosessel, eine verblühte Orchidee. Selten habe ich mir dringender einen Baum gewünscht. Einen, dessen spriessendes Grün meine Gedanken mit auf Reisen nimmt. Einen Baum, der den Lärm der Strasse dämpft, dessen raschelnde Blätter kreative Prozesse anregen und meine Konzentration fördern. Einen zart duftenden, energiespendenden, schönen Baum.
Die Landschaftsarchitektinnen Emma Thomas und Amanda Frantzen und die Architektin Sara Ellenberger könnten meinen Traum verwirklichen. Mit ihrem 2023 gegründeten Verein «mein Baum dein Baum» sorgen sie gemeinsam mit ihrem Gartenpartner Caspar Kerdijk für eine unkomplizierte, langfristige Begrünung der Stadt. Dass die grüner werden muss, ist klar – die Klimaerwärmung fordert Massnahmen. Bäume bieten sich an, da sie als natürliche Klimaanlage wirken, Feinstaub filtern und Treibhausgase reduzieren. Und Platz für Bäume hat’s mehr als genug. «Über eine Million Quadratmeter entfallen in Basel auf Vorgärten», so Emma Thomas. «Eine Fläche, die 13 Mal dem Kannenfeldpark entspricht!» Laut ihren Berechnungen könnten hier mindestens 9000 zusätzliche Bäume stehen – ein riesiges Potenzial für die Aufwertung des kollektiven Stadtraums. Nicht nur klimatisch wären die Bäume ein Gewinn, auch ästhetisch und emotional. Bäume bedeuten Lebensqualität. Sie verbessern die physische und psychische Gesundheit der Menschen. Sie machen zufrieden.
Unkompliziert von Grau zu Grün
Rund 200 Bäume haben Emma, Amanda, Sara und Caspar mit verschiedenen Gartenbaufirmen in den vergangenen drei Jahren gepflanzt. Viel zu wenig – und vor allem zu wenig vor öffentlich wirksamen Gebäuden. Zwar haben sie das Gundeldinger Feld begrünt und den Vorgarten des Gondrandgebäudes an der Uferstrasse attraktiv gestaltet, doch sie wollen mehr. «Während sich die privaten Eigentümer extrem pflichtbewusst zeigen, bleiben die Immobilienfirmen träge», so Sara. «Dabei geht’s uns auch um grosse Liegenschaften, die betreffend Grün benachteiligt sind.» Gemeinsam mit dem Gymnasium Kirschgarten haben die drei Initiantinnen von ‘mein Baum dein Baum’ nun sämtliche Adressen Basels erfasst, denen ein Baum gut stehen würde. Es gibt noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten …
«Die Eigentümer bekommen einen Bewässerungsplan. Die Baupflege übernehmen in den ersten zwei Jahren wir. Es ist wirklich supereinfach!»Emma Thomas, Landschaftsarchitektin
Dabei macht es einem ‘mein Baum dein Baum’ leicht: Direkt über die Website kann man bei Interesse einen Termin buchen. Amanda und Emma kommen für eine Lagebesprechung vorbei. «Wir besichtigen den Platz, besprechen individuelle Wünsche, analysieren den Standort und checken im Anschluss bei der IWB die unterirdischen Leitungen», so Amanda. Jeweils drei Baumvorschläge bekommen die Kundinnen und Kunden, auf Wunsch sogar bildlich veranschaulicht. «Sobald die Entscheidung gefallen ist, organisieren wir alles: Die Lieferung, die Baumgrube, die Pflanzung», erklärt Emma. «Die Eigentümer bekommen einen Bewässerungsplan. Die Baupflege übernehmen in den ersten zwei Jahren wir. Es ist wirklich supereinfach!» Und günstig noch dazu. Egal ob Blütenkirsche, Esche, Ahorn, Kastanie, Vogelbeere oder Ginko; der Verein benötigt eine Spende von mindestens 500 Franken zur Unterstützung des Projekts. Das Geld reicht nur, weil ein Teil über Stiftungen, Firmen und über den Mehrwertabgabefonds der Stadt Basel finanziert werden kann.
Auch vor meinem Büro gäbe es mehr als genug Platz für Bäume. Sie würden den Stadtraum und das Gebäude enorm aufwerten. Doch die Verwaltung tut sich aktuell noch schwer mit dem Gedanken, den gepflasterten Vorplatz punktuell für Bäume aufzureissen. Emma hat ihr trotzdem eine Visualisierung geschickt. Ob dereinst meine Gedanken mit den Blättern im Wind wehen werden, bleibt fraglich. Sicher ist: Mit einfachen Interventionen könnte Basel zu einer noch grüneren, noch schöneren und noch lebenswerteren Stadt werden.
Du willst einen Baum? Du kriegst einen Baum!
Bäume können nur im Frühling und im Herbst gepflanzt werden. Wer sich für einen oder mehrere Bäume im Vorgarten oder auf dem Vorplatz interessiert, meldet sich am besten direkt über die Website für eine Baumberatung an. Emma, Amanda oder Sara melden sich gerne bei dir und besprechen mit dir die Möglichkeiten. Vielleicht steht bereits im Winter ein neuer Baum vor deinem Fenster?