Chromstahl, Leder, Herz und Handwerkskunst: Sandrino Cenci verpasst Velo-Veteranen von Tigra, Cilo oder Bianchi neuste Technik, stilvolle Details und auf Wunsch sogar einen Motor. Mit einem Custom-Bike von Cenci bist du der Hingucker auf dem Veloweg!

Zufrieden blickt Sandrino Cenci auf seine schwarzen Hände. Sie sind seit knapp fünf Jahren sein Gütesiegel. Stehen für polierten Chromstahl, schnurrende Fahrradketten, perfekt eingestellte Gangschaltungen – für echte Handarbeit. Nicht dass er seine Hände in den 50 Jahren davor nicht gebraucht hätte. Nachdem er als 12-jähriger noch Radrennfahrer werden wollte, machte er eine Ausbildung zum Elektriker, bildete sich später zum Grafiker weiter und gründete eine Agentur für Webdesign. «Doch wie erklärt man da seinem Kind, was man tagsüber tut?». Sandrino lächelt. Erst seit er abends mit schmutzigen Händen von der Arbeit kommt, hat sich diese Grundzufriedenheit eingestellt. Die Ruhe im Kopf, die ihn problemlos ein- und durchschlafen lässt.

Begonnen hat alles vor fünf Jahren mit ein paar Arbeitsstunden in der Velowerkstatt von Cenci. Sandrinos Cousin zweiten Grades führt das Unternehmen in Riehen in dritter Generation. «Damals war ein Velomech krank und ich stellte mich spontan als Aushilfe zur Verfügung. Am Abend konnte ich meine Daumen nicht mehr bewegen vom Aufspannen der Pneus, aber ich war extrem zufrieden. Da war mir klar, dass ich etwas ändern muss.» Mit über 50 löste er seine Agentur auf und setzte sich noch einmal in die Berufsschule, um die Ausbildung zum Zweiradmechaniker zu absolvieren. «Das hat aber irgendwie nicht funktioniert», schmunzelt er rückblickend, «alle haben gemeint, ich sei der Lehrer.» Kurzerhand brachte er sich die Theorie selber bei, für die Praxis gab es im Unternehmen Cenci mehr als genug Übungsmöglichkeiten.

Perfekt bis ins kleinste Detail
Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass Sandrino sich als einziger in der Werkstatt für alte Velos und deren Reparatur interessierte. «Für mich war das reine Nostalgie», lacht er, der schon als Kind auf dem Schrottplatz nach Velo-Ersatzteilen suchte. «Und ich merkte bald: Das ist keine Raketentechnik. Die Teile sind überschaubar. Aber es braucht Freude, Interesse und Leidenschaft.» Davon hat er mehr als genug. Schnell fuchste er sich ein, fand heraus, wo’s die besten Ersatzteile gibt und wurde Schritt für Schritt zum Restaurations-Profi mit einer beachtlichen Sammlung an Velo-Veteranen von Cilo, Bonanza, Condor, Tigra oder Villiger – sein Fundus, wenn er auf der Suche ist nach einer Stängelibremse, einem Tacho oder einer stilgetreuen Lampe. Längst geht es hier nicht mehr nur ums Flicken von alten Göppeln. Sandrino macht aus einem in die Jahre gekommenen Velo einen Hingucker mit poliertem Lenker, Weidenkorb, Weisswandreifen. Stets farblich abgestimmt sind Handgriffe und Ledersattel. Jedes Detail muss bei ihm stimmen, jeder Millimeter Chromstahl glänzen.  

Die alten Dynamos lasse ich als Zierde gerne am Velo. So sieht alles aus wie retro, ist aber unter der Haube topmodern.
Sandrino Cenci

So ein Velo fällt natürlich auf – weil es sexy aussieht, aber auch, weil es häufig sogar motorisiert ist. Kaum sichtbar baut Sandrino in die Hinterräder neue Zehus Hybrid-Motoren ein, die das Fahren bis zu 25km/h unterstützen und sich bergab sogar selber wieder aufladen. Weil bei Elektrofahrzeugen ganztags das Licht brennen muss, braucht’s dann auch einen Nabendynamo – auf Wunsch wird die Leuchte ins alte Lampengehäuse eingebaut. «Die alten Dynamos lasse ich als Zierde gerne am Velo», erklärt Sandrino. «So sieht alles aus wie retro, ist aber unter der Haube topmodern.» Ein Segen für alle, denen die modernen E-Bikes zu schwer und zu klobig sind. Dafür muss Sandrino seine zarten E-Bikes beschriften: «Ja, ich bin ein E-Bike», steht auf einem Zettel, der am Lenker hängt. Anders glaub man’s kaum.

Wer ein komplett neues E-Bike im Vintage-Look sucht, findet dies in der Eigenmarke Cenci. Die topmodernen Velos baut Sandrino in den Wunschfarben der Kundschaft zusammen. «Die Rahmen kommen aus Belgien, das Leder aus England und Deutschland, der Motor aus Mailand und designt und gebaut wird in Riehen – Cenci-Velos sind vollständig europäische Produkte», so Sandrino. 58 Jahre alt ist er heute. Um sämtliche Schätze, die noch im Cenci-Fundus hängen oder in der Garage stehen, in handgefertigten Custom-Bikes zu verwandeln, braucht er mindestens 20 weitere Arbeitsjahre. Doch das beunruhigt Sandrino nicht, im Gegenteil. Auch Heidi Cenci, Sandinos Grosstante, arbeitet mit 80 Jahren noch immer im Laden. Wer liebt, was er tut, denkt nicht daran, damit aufzuhören.  

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Webergässchen 4, Riehen

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