Das riesige Rundbogenfenster am Spalenberg 18 zieht die Blicke auf sich. Drei Lampen, ein Stuhl, ein Tischchen und ein paar Vasen stehen harmonisch kombiniert in der Auslage und geben den Blick auf den dahinterliegenden, grossen Raum frei. Hier drin tut sich einem eine Welt auf, die ein wenig an die Kult-Serie Mad Men erinnert. Aus den Lautsprechern singt mit warmer Stimme Etta James «Stormy Weather». Willkommen bei Sella Studio, in der Midcentury-Welt von Nora Gysin.
Zum Midcentury-Stil gehören Möbel, Leuchten und Objekte, die von Designern wie Arne Jacobsen, Alvar Aalto, Hans J. Wegner oder Charles & Ray Eames Mitte des letzten Jahrhunderts entworfen wurden. Stücke, die so schnörkellos und zeitlos elegant daherkommen, so funktional und gleichzeitig einladend und warm, dass sie bis heute gefragt sind und teuer gehandelt werden. Vielleicht auch, weil sie die Sehnsucht nach Reduktion auf das Wesentliche stillen, die viele Menschen in turbulenten Zeiten wie diesen ereilt. Midcentury-Stücke werten jeden Raum auf – Möbel zum Verlieben und Vererben.
Dass ich nun tatsächlich hier sitze, ist ziemlich surreal und freut mich wahnsinnig!Nora Gysin
In filmreifer Umgebung in Erinnerungen schwelgen
Nora Gysin ist bereits seit vielen Jahren ein Fan des Midcentury-Stils. Sie mag die sanften Kurven, die klaren Linien, die geometrischen Formen. 2017 ging sie mit ihrem Online-Shop sella-studio.com online. Bis heute verkauft sie dort Stühle, Tische, Lampen, Keramik- und Glaswaren, die sie in ganz Europa in Brockis, auf Flohmis, bei Antiquitätenhändlern und Auktionshäusern zusammensucht. Als sie 2025 vom freiwerdenden Ladenlokal am Spalenberg 18 erfuhr, war für Nora klar; jetzt oder nie. «Beim Vorbeispazieren habe ich in der Vergangenheit oft aus Spass gesagt: Das wird einmal mein Laden! Dass ich nun tatsächlich hier sitze, ist ziemlich surreal und freut mich wahnsinnig!» Auch die Menschen am Spalenberg sind vom hübschen Neuzugang angetan und schwelgen vor dem Schaufenster lächelnd in Erinnerungen. Viele Stücke kennen sie so oder ähnlich aus Kindheitstagen oder vom Inventar der Eltern und Grosseltern.
Tatsächlich sind sämtliche Gegenstände bei Sella Studio bereits 60 Jahre alt und älter, auch wenn man ihnen das Alter nicht ansieht. Alle Stücke sind gereinigt, aufgefrischt, geschliffen und geölt. Sie sehen aus wie neu, obwohl bereits in ihnen gelebt, geliebt, gelacht und gestritten wurde. «Ich mag Objekte, die eine Geschichte erzählen», so Nora, die selbst zu jedem Teil viel zu erzählen weiss. In all den Jahren hat sie sich ein grosses Wissen über das Design des vergangenen Jahrhunderts angeeignet. Sie kennt die Charakteristika und die Geschichte des Designs und die Werkstätten, aus denen die Stücke kommen. Besonders angetan haben es ihr die Designer aus Skandinavien, aber auch Einzelstücke aus Deutschland, Österreich, Italien oder der Schweiz sind bei ihr zu finden.
Wer eintauchen mag in die Welt des vergangenen Jahrhunderts; die Eingangstür zu Sella Studio steht weit offen. Mit etwas Glück singt Etta James «Don't know why, there’s no sun up in the sky …», während draussen dicke Regenwolken vorbeiziehen. Filmreife Momente sind am Spalenberg 18 gewiss keine Seltenheit.
SELLA STUDIO
Spalenberg 18
sella-studio.com