Wer die Ausstellungen der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G regelmässig besucht, weiss, dass man als Besucherin oder Besucher immer wieder aufs Neue überrascht wird. Der neue Ausstellungstitel «Extrasensory» lässt erahnen, dass es dieses Mal auf eine überirdische Reise geht – eine Reise, welche die eigenen Vorstellungen von Realität, Fiktion und übersinnlichen Phänomenen herausfordert.
Das Spiel mit dem Unfassbaren
«Extrasensory entstand aus meinem Interesse daran, wie Menschen über Jahrhunderte hinweg versucht haben, Erfahrungen zu beschreiben, die sich Sprache, Logik oder Beweis entziehen, von Engeln und Visionen bis hin zu ausserirdischen Wesen», sagt die in New York lebende Künstlerin Chloe Wise über ihre erste grosse Ausstellung in der Schweiz – und spricht einem dabei aus der Seele. Denn die Erfahrung, welche man auf dem Rundgang durch die drei immersiven Räume macht, kann man nicht in Worte fassen und muss man selbst erlebt haben.
«Mich interessiert Ambiguität, besonders in einer Gegenwart, die von wissenschaftlichen und technologischen Denkmodellen bestimmt ist und in der uns beigebracht wurde, unerklärliche Phänomene zu verdrängen.»Chloe Wise
Als Besucherin oder Besucher wird man direkt ins Geschehen hineingezogen. Die Faszination des Unbekannten, des Nicht-Erklärbaren und Nicht-Fassbaren macht den Reiz der Ausstellung aus. Diese Erfahrung beginnt bereits im Eingangsbereich, der einem rammelvollen, esoterischen Souvenirshop mit allerlei religiösen Objekten, UFO-Memorabilia, Figuren und Fundstücken gleicht. Danach gehts durch einen verspiegelten Raum, der an eine Garderobe hinter der Bühne oder das Innere eines Raumschiffs erinnert. Chloe Wise lässt dies bewusst offen und spielt dadurch gekonnt mit unseren Erwartungen an den nächsten Raum – das Herzstück der Ausstellung.
Zwischen Philosophie, Mythologie und zeitgenössischer Kultur
Du hast vielleicht auch schon Ausstellungen besucht, in denen es ein Raum mit einem Fernseher oder einer Leinwand gab, wo ein Film in Endlosschlaufe gezeigt wurde – der weder zur Qualität der Ausstellung beigetragen noch diese bereichert hat. Das ist bei «Extrasensory» nun ganz anders. Den räumlich grössten Teil der Ausstellung nimmt Chloe Wise' bisher umfangreichstes Werk und ambitioniertester Film «PsyFi*» ein. Dieser ist als Mehrkanal-Installation konzipiert und zeigt Szenen aus drei verschiedenen Blinkwinkeln – nebeneinander auf Grossleinwand.
Produktion, Schnitt, Schauspielleistung, Kostumdesign und Szenographie befinden sich allesamt auf Hollywood-Niveau und erinnern an die Ästhetik des Kinos und Fernsehens des späten 20. Jahrhunderts. Obschon die verschiedenen Szenen auf den ersten Blick zusammenhangslos erscheinen, erzählt der Film eine Geschichte, wodurch man sich dieser immersiven Erfahrung des mehrkanaligen Films nicht entziehen kann. Dieser untersucht wie unterschiedliche Kulturen über die Jahrhunderte hinweg Begegnungen mit dem Unbekannten beschrieben haben. Dabei wechseln sich ausserirdische Phänomene, religiöse Visionen und übersinnliche Erfahrungen ab. Durch die besondere, kunstvolle Dramaturgie des Films entsteht ein fesselndes und mitreissendes Geflecht und Gesamtkunstwerk, das einen wie die Schauspieler im Film staunen lässt.
«Die Ausstellung unterstreicht unser Engagement für ambitionierte zeitgenössische Positionen, die Wahrnehmung herausfordern, künstlerische Ausdrucksformen erweitern und das Publikum zu komplexen, immersiven Erfahrungen einladen.»Raphael Suter, Direktor der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G
Chloe Wise zieht Parallelen zwischen religiösen Visionen und zeitgenössischen Erzählungen über ausserirdische Phänomene und richtet den Fokus darauf, wie Erzählungen, Bilder und kulturelle Deutungsmuster die Wahrnehmung und Interpretation solcher Erfahrungen prägen: «Mich interessiert Ambiguität, besonders in einer Gegenwart, die von wissenschaftlichen und technologischen Denkmodellen bestimmt ist und in der uns beigebracht wurde, unerklärliche Phänomene zu verdrängen. Mich interessiert eine neue Form der Verzauberung sowie die Parallelen zwischen Science-Fiction und Spiritualität.»
«Extrasensory» lässt dich deine eigene Vorstellung von Wirklichkeit und Überirdischem erkunden und spielt mit Phänomenen, die jenseits der Reichweite unserer Sinne und unserer Sprache verborgen liegen und sich einer Definition entziehen.
Extrasensory – Chloe Wise
Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G
Vom 12. Juni bis 6. September 2026
kbhg.ch
Kuratiert von Samuel Leuenberger.
Täglich geöffnet (ausser dienstags) von 11 bis 18 Uhr.
In der Art-Woche vom 15. bis 21. Juni ist die KBH.G täglich (auch dienstags) von 9 bis 19 Uhr geöffnet.
Eintritt und Publikation frei.
Entdecke auch das spannende Rahmenprogramm aus Führungen, Artist Talks und Sonderveranstaltungen.
Die 2018 gegründete Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G stellt der Stadt Basel ein neues, einzigartiges Forum für Kunst- und Kulturschaffen zur Verfügung.