18 Bienenvölker zwischen Flachdach und verwunschenem Garten: Andreas Seiler ist als Imker mitten in Basel beheimatet. Bei seinem Stadthonig legt er grossen Wert auf natürliche Kreisläufe und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit.

Den Eingang zum Garten findet nur, wer ihn kennt: Eine dunkle Tür, ein Hängeschloss, dahinter ein auf den ersten Blick unscheinbares Fleckchen Erde. Wer aber erst einmal reindarf in Andreas Seilers Bienengarten, entdeckt ein kleines Paradies mitten im Gundeli Quartier und nur einen Katzensprung vom Gundeldinger Feld entfernt. Aber zurück zum Anfang ins Schützenmattquartier, wo Andreas wohnt. «Ein Nachbar hat ein angrenzendes Flachdach. Ich habe immer aus dem Fenster geschaut und gedacht, das müsste man anders nutzen», erzählt er. Als er dann einen Artikel über einen Imker in Paris gelesen hat, war das für ihn das «Aha»-Erlebnis. Er meldete sich für den Imkerkurs an, lernte das Grundhandwerk und startete vor 17 Jahren mit seinem Projekt Stadthonig.

Vom benachbarten Flachdach ging es dann schnell weiter zum Gundeldinger Feld. Dort hat er das Bio Bistro mitaufgebaut. Die Bienen waren die perfekte Ergänzung für das Konzept des Bistros. Andreas sagt: «Das Bienensterben war damals in aller Munde. Hier konnten wir einen Mini-Kreislauf aufbauen, der allen zugutekommt.» Das lernen auch die Schulklassen und Erwachsenengruppen, für die er Führungen anbietet. Die Bienen leben auch beim Bio Bistro auf dem Flachdach, im Innenhof wachsen Kräuter, die von ihnen bestäubt und in der Küche verarbeitet werden. Organische Abfälle landen auf dem Kompost und der wiederum zurück in den Pflanzenkübeln. «So hat man einen Mini-Kreislauf in der Stadt und die Quintessenz davon ist dann der Stadthonig, die süsse Essenz, wie ich ihn nenne», erklärt Andreas.

Verbunden mit der Natur
Die Diskussion rund ums Bienensterben hat sich laut Andreas in den letzten Jahren stark verändert. Heute geht es weniger ums allgemeine Bienensterben und mehr darum, wie die Zuchtbienen die Wildbienen verdrängen. Umso wichtiger sind Gärten mit hoher Biodiversität. Ein solcher Ort ist der versteckte Bienengarten im Gundeli, der hinter der dunklen Tür und dem Hängeschloss eine Oase für Flora und Fauna des Quartiers bereithält. Er wird von Andreas aktuellem Arbeitsgeber Raum und Garten gepachtet. Die Gartenbaufirma nutzt ihn als Baumschule und freut sich über die garteneigenen Bestäuber. Andreas hat fünf seiner mittlerweile 18 Bienenvölker an diesem Ort, der für die fleissigen Insekten ein kleines Paradies ist: «Es ist ein fantastisch verwilderter Garten. Dort wurde jahrelang nichts gemacht und wir versuchen das auch so zu lassen, damit er dieses Raue der Natur mitten in der Stadt behält.»

Stadthonig, das ist Andreas allein – und natürlich seine Bienen. Entsprechend viel Arbeit fällt für ihn an, gerade in den Sommermonaten. Während im Winter hauptsächlich Unterhaltsarbeiten anstehen, geht die Saison ab März richtig los. Andreas erzählt: «Dann gibt es die Peaks an den Tagen, an denen man erntet. Da bin ich dann schon zwölf Stunden dran mit Honig holen, schleudern, aufräumen. Das braucht Zeit.» Diese Zeit steckt er aber gerne ins Projekt, ihm liegt viel daran, dass er Menschen an das Thema ranführen kann. In seiner Familie war es schon immer selbstverständlich, dass nach Bio-Standards gegärtnert wird. Jetzt möchte er auch anderen zeigen, wie wichtig die Natur ist: «Das klingt dann immer so pathetisch, aber ich habe das Gefühl, wir Menschen erachten uns nie als Teil der Natur. Diesen Bezug will ich wieder ein Stück weit herstellen.»

Honig aus dem Quartier
Andreas Seilers Bienen fliegen an vier Standorten durch die Gärten Basels und produzieren den Stadthonig, die «süsse Essenz». Diesen verkauft er an der Belchenstrasse 10. Zusätzlich bietet Seiler Führungen für Schulklassen und Erwachsenengruppen an und engagiert sich für die Bienen-Initiative.

stadthonig.ch