Der einzige Ort in Basel, in dem man eine steile Treppe hinuntergeht, um sich anschliessend in einer Bar im zweiten Stock wiederzufinden, ist das Basler Marionetten Theater. Zu Besuch in der magischen Welt der Miniaturen.

Hinter den Rosskastanien am Münsterplatz führt eine steile Treppe hinunter in eine winzige Welt der Magie. Hier wohnen Mäuse in einer hübsch eingerichteten Wohnung und unsichtbare Fische schwimmen im Aquarium. Lollis wachsen aus einem Baumstamm, während ein kleiner Ritter den Eingang zum Zehntenkeller bewacht, in welchem sich Albin und Olga Petitjean in der Loge kritisch über das Gesehene auslassen. Währenddessen wartet Herbert Grönemeyer geduldig in der Garderobe auf seinen nächsten Auftritt. Willkommen im Keller der Illusionen, in der Heimat von Marionetten, Stabpuppen und Handfiguren. Willkommen im Basler Marionetten Theater!

Von Erwachsenen für Erwachsene
An einem Montagmorgen um 9 Uhr ist hier bereits einiges los: Sämtliche fünf festen Teammitglieder wuseln in der Werkstatt, hinter der Bühne und rund um die Bar herum. Am Vorabend war Saisonende mit dem Urmel, nun heisst es, das Theater für die Sommerpause vorzubereiten, die Bühne abzuräumen, die Figuren in Staubbeutel zu versorgen, defektes Material zu reparieren, die Spuren vom letzten Apéro zu beseitigen und alles Nötige bereit zu machen für die neue Spielzeit. Seit 1956 befindet sich das 1943 gegründete Basler Marionetten Theater, kurz BMT, im Zehntenkeller am Münsterplatz. Daniel Jansen ist hier der Geschäfts- und Markus Blättler der Künstlerische Leiter. Im Gegensatz zu Daniel, der sich ausschliesslich neben der Bühne bewegt, spielt Markus selber in den Stücken mit. «Ich habe vor vielen Jahren einmal einen Spielkurs im BMT besucht und bin seither begeistert dabei», erzählt er.

Zum Teil spielen die Leute seit dreissig, vierzig Jahren in unseren Stücken mit.
Daniel Jansen

Rund 70 ehrenamtliche Mitarbeitende sind regelmässig für das BMT im Einsatz. «Zum Teil spielen die Leute seit dreissig, vierzig Jahren in unseren Stücken mit», erzählt Daniel. Bekannt wurde das Theater einst mit Goethes Faust. In den Anfängen spielte man ausschliesslich Stücke für Erwachsene. Erst in den 1950er Jahren gab es erste Kinderaufführungen. «Damals war das BMT das einzige Theater in Basel, das ein Programm für Kinder anbot», weiss Daniel, «dadurch kamen sehr viele Familien hierher. Vielleicht haben darum heute viele Menschen das Gefühl, wir seien ein Kindertheater – aber das sind wir nicht! 50% unseres Programms besteht aus Stücken für Erwachsene.»

Es ist schwierig, gleichzeitig zu spielen und zu sprechen, weil du oft in gebückter Haltung bist. Darum kommt der Ton vom Band.
Markus Blättler

Individuelle Figuren und professionelle Stimmen
Die Figuren werden jeweils eigens für ein Stück gebaut und auch der Ton wird für jedes Stück professionell im Tonstudio eingesprochen. «Es ist schwierig, gleichzeitig zu spielen und zu sprechen», erklärt Markus, «weil du oft in gebückter Haltung bist. Darum kommt der Ton vom Band.» Früher war das freilich anders. Bis zu 20 Figurenspieler, Sprecherinnen und Musizierende seien einst hinter der Bühne in Action gewesen, erzählt Daniel. Beim Blick hinter die Kulissen kaum vorstellbar. Enge Holztreppen führen beidseits der Bühne nach oben und unten. Über der Bühne gibt es zwei Brücken, auf denen die Marionettenspielerinnen und – Spieler stehen, unter der Bühne bewegen sich die Stab- und Handpuppenspieler. Heute sind während einer Aufführung maximal acht Leute hinter der Bühne und bereits das bedarf angesichts der beengenden Verhältnisse einer ausgeklügelten Logistik.

Doch nun ist erst einmal Pause, bis Ende September die neue Spielzeit losgeht. Welche Stücke auf dem Programm stehen werden, gibt das Theater Ende August bekannt. Bis dahin kommen das Urmel, Wutz und Professor Habakuk Tibatong in den Estrich, wo alle rund 700 Figuren in einem grossen Fundus gelagert werden. Nur Herbert Grönemeyer nicht. Der darf während der Ferien mit der Figurenkutsche Ainewäägeli auf Tour. Ganz ohne Publikum geht’s eben auch in der Sommerpause nicht.