Verstaubte Pflichtlektüre? Mitnichten! Der vor 200 Jahren verstorbene Johann Peter Hebel machte sich Gedanken, die bis heute aktuell sind. Wer nicht lesen will, kann hören: Bis am 15. Oktober spricht Hebel vor der Peterskirche aus Trichtern zu dir.

Ein Gedicht von Johann Peter Hebel ist es, das dem Lied «Z Basel a mym Rhy» zugrunde liegt. Vielen FCB-Fans dürfte gar nicht bewusst sein, dass sie während einem Match den grossen, in Basel geborenen Schriftsteller zitieren. «Erinnerungen an Basel» hiess sein Gedicht aus dem Jahr 1806, in dem er sehnsüchtig auf seine Kindheit in Basel zurückblickt. Erst später wurde der Text vertont und entwickelte sich zur inoffiziellen Hymne der Stadt.

Johann Peter Hebel. Klar, den Namen hat man in Basel schon gehört. Es gibt ein Hebelschulhaus, ein Café Hebel, das Geburtshaus am Totentanz 2 und ein Hebel-Denkmal bei der Peterskirche. Doch, mal ehrlich, wer hat schon mal Hebel gelesen? Wer kennt die Alemannischen Gedichte oder die Kalendergeschichten? Vermutlich die wenigsten von uns. Wie bringt man nun also einen Dichter den Menschen näher, die keine Lust haben, seine Texte zu lesen?

Mit einer Klanginstallation zum Beispiel, so wie sie seit ein paar Wochen vor der Peterskirche erlebbar ist. Sie ist das Herzstück des von der Basler Hebelstiftung organisierten Jubiläumsjahres zum 200. Todestag des Literaten. Über Trichter und Röhren, die mit der Hebel-Büste verbunden sind, kann man sich die Geschichten und Gedanken Johann Peter Hebels anhören. Klar, keiner weiss mit Gewissheit, was der Mann vor 200 Jahren gedacht hat, aber aufgrund von Briefen und Texten hat sich Kulturvermittlerin Barbara Piatti in seinen Kopf hineinversetzt und sein sympathisches, wohlwollendes, schalkhaftes Wesen mit Hilfe von den beiden Schauspielern Erik Brünner und David Bröckelmann zum Leben erweckt.

Doch warum sollten wir uns mit einem seit 200 Jahren toten Dichter befassen?  Weil seine Themen bis heute relevant sind. Weil vielleicht seine Sprache alt ist, seine Gedanken es jedoch nicht sind. In seinen Kalendergeschichten gab er lebensnahe Tipps und publizierte in Geschichten verpackte Lebensweisheiten für die breite Bevölkerung. Bleibt zu hoffen, dass er diese breite Bevölkerung auch 2026 erreicht, indem er beim Petersplatz direkt zu ihr spricht. 

«Hebel spricht!»

Überraschung! Zum 200. Todestag von Johann Peter Hebel beginnt die Büste auf dem Sockel zu sprechen: Hebel erzählt, fragt, sucht, zweifelt, notiert, stolpert, träumt und staunt. Wer stehen bleibt und dieser verspielten Klang-Installation lauscht, bekommt hautnah so einiges mit aus dem Leben dieses Dichters und Denkers. Sämtliche Hebel-Tracks können unter hebel2026.hebelstiftung.ch auch in Ruhe zuhause angehört werden.

Hinzu kommt ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm:

  •  Samstag, 6. Juni, 11 bis 17 Uhr: «Vom Keller bis zum Turm – Hebel entdecken» Tag der offenen Peterskirche zum Thema Johann Peter Hebel
  • Samstag, 13. Juni, 10 bis 15 Uhr: «Lehrreiche Nachrichten und lustige Erzählungen» Lektürekurs mit Dr. Andreas Mauz zu Johann Peter Hebels Erzählkunst im Kollegiengebäude der Universität Basel
  • Samstag, 27. Juni, 17.10 Uhr: «Hebel und Jodel» Jodelklänge zu Ehren Johann Peter Hebels sowie Wechsel der Tonspuren bei der Klanginstallation «Hebel spricht!»

hebelstiftung.ch

Fotos: Basil Huwyler & Joel Sames