Die Sammlung einer der bedeutendsten Designer der Moderne ist vom 8. Mai bis am 17. Juni im Ausstellungsraum der Schule für Gestaltung Basel zu sehen: Jan Tschichold (1902 – 1974) war Buch- und Schriftengestalter, Grafiker, Kalligraf, Typograf, Autor und ein Vorreiter des funktionalen Grafikdesigns. Spektakulär für alle, die sich für Typographie und Druckgrafik interessieren!

Wer hat eigentlich die Schrift erfunden, die du hier gerade liest? Ein Schriftgestalter oder Grafiker mutmasslich, denn jeder gedruckte Buchstabe gehört zu einem einheitlich gestalteten Alphabet mit festgelegter Buchstabenbreite und Laufweite, bestimmtem Duktus mit oder ohne Serifen, Ligaturen, Fraktur – es ist eine wahre Wissenschaft. Einer, der sich damit hervorragend auskannte, war Jan Tschichold. 1902 in Leipzig geboren, studierte er Schriftkunst an der Leipziger Akademie und verfasste mit 23 Jahren, beeinflusst von Begegnungen am Bauhaus, sein Manifest zur «elementaren typographie». Damit löste er in der gestalterischen Welt jener Zeit ein mittleres Erdbeben aus und wurde schlagartig berühmt.

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Warum wir dir das alles erzählen? Weil Jan Tschichold, nachdem er 1933 aus Deutschland geflohen war, in Basel lebte, hier an der Gewerbeschule unterrichtete und seine Sammlung mit über 1500 Dokumenten aus dem Bereich der Gebrauchsgrafik an das Gewerbemuseum Basel verkaufte. Und eben diese Sammlung kannst du dir nun erstmals anschauen und somit Weltklasse-Grafikdesign aus den bis heute stilprägenden 1920er und 1930er Jahren entdecken. Da sind kleinformatige Drucksachen von berühmten Gestaltern aus dem Bauhaus-Umfeld zu sehen oder von Künstlern wie Kurt Schwitters oder El Lissitzky – allesamt Pioniere des modernen Grafikdesigns. Mit deren Broschüren, Plakaten, Briefköpfen oder Visitenkarten arbeitete Jan Tschichold in seinem Unterricht.  

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Tschichold war übrigens 1943 auch der Initiator des Wettbewerbs «Die schönsten Schweizer Bücher», der bis heute jährlich ausgeschrieben wird. Er selbst entwarf Plakate, Buchcover und Schriftarten, arbeitete für den Basler Birkhäuser Verlag als Buchhersteller, bei Hoffmann-La Roche als Gestalter und entwickelte die Corporate Identity des Penguin Verlags in London. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zum Thema Schrift. 1974 starb er in Locarno. Teile seines Nachlasses finden sich unter anderem im MoMA in New York und im Victoria and Albert Museum in London. Und jetzt eben: im Ausstellungsraum der Schule für Gestaltung. Nicht verpassen!

 

Ausstellung «Revolutionäre der Typographie», vom 8. Mai bis zum 17. Juni 2022 im Ausstellungsraum der Schule für Gestaltung Basel am Freilager-Platz 5. Dazu gibt es auch eine Begleitpublikation.

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