Fritz Bühler, Herbert Leupin, Celestino Piatti, Hermann Eidenbenz – Basel hat eine reiche Tradition in der Grafikdesign-Szene und brachte einige bekannte Grafiker hervor. Rolf Rappaz (1914 – 1996) war einer von ihnen. Er besuchte die Kunstgewerbeschule Basel, führte ein grafisches Atelier und arbeitete als Grafik-Lehrer. Eva Aeppli und Jean Tinguely besuchten seinen Unterricht. Rappaz gestaltete für Firestone, Avia, die Mustermesse Basel, den Autosalon Genf, für Bell, für die Muba und die Olma und prägte den Schweizer Grafikstil der Nachkriegszeit nachhaltig mit. 1971 kaufte er sich im Kleinbasel ein Haus, das einst zum Kloster Klingental gehörte und nutzte es als Kunstatelier. Nach Rolf Rappaz’ Tod gründete Ehefrau Gisèle eine Stiftung, die hier fortan das Rappaz Museum betrieb. Doch nachdem Gisèle Rappaz 2022 verstorben war, fehlten die finanziellen Mittel für den weiteren Betrieb, ein neues Konzept musste her.
So kam unter anderem Barbara Piatti ins Spiel. Als Tochter von Celestino Piatti kennt sie sich nicht nur in der Basler Grafik-Szene bestens aus, sondern hat als Kulturvermittlerin zudem ein feines Gespür für den publikumsnahen Zugang zu komplexen Themen. Das Museum wurde geräumt, in den oberen beiden Etagen zog das Gestaltungsbüro Stauffenegger + Partner ein. Rappaz ist nun nur mehr im Erdgeschoss präsent. «Als wir das Museum räumten, kam schnell die Frage auf: Was machen wir mit all den Kisten?», erinnert sich Barbara. «Wenn die Sachen eingelagert werden, sind sie weg, dann arbeitet niemand mehr damit. So kamen wir auf die Idee des Schau-Archivs.» Die Arbeiten in den grauen Kartonschachteln, die sich auf den Regalen stapeln, können weiterhin geöffnet und bei Bedarf studiert werden. «Mit ein paar neuen Strukturen haben wir es geschafft, das Werk von Rappaz auf einer Etage zu verdichten.» Mitgearbeitet an der Inszenierung haben Christian Stauffenegger und sein Team sowie Nils Widmer von der Storie Kulturangentur.
Mit ein paar neuen Strukturen haben wir es geschafft, das Werk von Rappaz auf einer Etage zu verdichten.Barbara Piatti
Perfektion, Ordnung und ein Dalmatiner
Dass Struktur auch in Rolf Rappaz’ Leben eine grosse Rolle spielte, wird im Schau-Archiv deutlich: Die akkurat von Hand beschrifteten Kartonschachteln, die in absoluter Perfektion ausgeführten Arbeiten, die Pinsel, Spachtel und Stifte, die alle in gleich grossen hellgrauen Keramikkrügen stecken, das Faible für die immergleichen geometrischen Formen Quadrat, Dreieck und Kreis – in dieser verblüffenden Ordnung sticht seine enorme Kreativität und Verspieltheit umso mehr hervor. «Hier im Haus wird greifbar, dass Grafik zu Rappaz’ Zeiten ein Handwerk war. Das fasziniert auch die Studierenden der Grafikfachklasse SfG», so Barbara. Die SfG-Studierenden waren es auch, welche die aktuellen Rappaz-Plakate gestalteten.
Damit die Besuchenden des Schau-Archivs nicht einfach wahllos in Rappaz’ Kisten wühlen, gibt es eine Begleitbroschüre mit 25 Stationen, die durchs Archiv und durchs Leben des Künstlers leiten. So begegnet man seinen wichtigsten Arbeiten, seinen Briefen, seiner Kunst und bekommt einen Einblick in sein Leben. Sitzt man am Ende auf dem Corbusier-Sofa des Ehepaars Rappaz und lässt das konstruktivistische Rappaz-Bild an der Wand auf sich wirken; man würde sich nicht wundern, der Grafiker persönlich käme zur Tür herein. Stattdessen huscht Dalmatiner-Hündin Piroschka aus dem Gestaltungsbüro im Obergeschoss die alte Holzstiege herunter und drapiert sich in die Szenerie, als wüsste sie ganz genau, dass die Grafik ihres Fells hier endlich einmal angemessen gewürdigt wird.
RAPPAZ – HAUS DER BASLER GRAFIK
Das Erdgeschoss des einstigen Rappaz-Museums ist heute dem Lebenswerk von Rolf Rappaz und dem visuellen Erbe seiner Zeit gewidmet. Es versteht sich als kreativer Treffpunkt rund um das Grafikdesign damals und heute. Und es rückt Basel als Metropole der Grafik in den Fokus – mit Events, Publikationen und einem Schau-Archiv. Das Archiv kann zum Beispiel an öffentlichen Führungen, Kursen oder an wiederkehrenden Anlässen wie den «Friday Graphics» besucht werden. Die aktuellen Daten sind auf der Website zu finden.